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Im deutschen Reich · 1912-03-01 · Heft 3 (März 1912) · p. 133

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
18 (1912)
Issue
Heft 3 (März 1912)
Article
Wie Märchen entstehen
Date
1912-03-01
Page
133 (sequence 5)
Language
German
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Wie Märchen entstehen. 13:'5 ein gleiches. Wir würden ein derartiges Verhalten auch niemals billigen, wie Sie aus den Landtagsverhandlungen ja auch selbst wissen. — Hochachtungsvoll und ergebenst Dr. G. Leonhard t." Daraus geht auf das bündigste hervor, daß die Nationalliberalen in diesen, mit ihrem Einverständnis veröffentlichten Briefen jeden Zusammenhang mit dem Antisemitismus ab gewiesen haben. Kurz vor dem Wahltage sind dann in verschiedenen Orten des Wahlkreises einige der berüchtigten „Hammer- Flugblätter" verteilt worden, so namentlich an den Türen von Versammlungslokalen. Die Nationalliberalen haben jeden Zusammenhang mit dieser Verteilung auf das schärfste abgelehnt. Es war auch die allgemeine Meinung, daß die Verbreiter in Kreisen der deutsch-nationalen Handlungsgehilfen zu suchen seien. Doch kann auch das insofern ein Irrtum sein, als nachträglich bekannt geworden ist, daß die Antisemiten des „Hammel- Verlags ganz von selbst in vielen Wahlkreisen ihre Machwerke verbreitet haben. Was den nationalliberalen Kandidaten North angeht, so war mir nicht das Geringste bekannt, woraus ich gerade von ihm hätte folgern können, daß er Antisemit sei; es stand mir vielmehr fest, daß North, falls er gewählt würde, nicht mehr und nicht weniger als die anderen Nationalliberalen des Reichstages gegen den Antisemitismus Front machen würde. Ich hatte und habe nicht den geringsten Zweifel daran, daß Herr North im Reichstag dem Antisemitismus niemals Vorspanndienste geleistet hätte. In der Hauptwahl fiel unser Kandidat durch, er blieb mit noch nicht 100 Stimmen hinter North zurück. Wir wissen jetzt, daß tatsächlich seine Konfession als Jude einige hundert oder tausend Wähler Roesickes und Schräders — genau kann man die Zahl natürlich nicht bestimmen — abgehalten hat, Herrn Dr. Preuß zu wählen. Sie haben ohne irgendwie tiefgreifende antisemitische Agitation einfach den Christen dem Juden vorgezogen. Das wäre vermieden worden, wenn von Anfang an in der Agitation den Wählern klar gemacht worden wäre, daß Fortschrittler lediglich auf den in ihrem Sinne tüchtigsten sehen müssen und sich um seine Konfession wahrlich nicht kümmern dürfen. Leider ist diese Art Agitation unterblieben, weil man sie zu Anrecht gar nicht mehr für nötig gehalten hatte. In die Stichwahl kam der Nationalliberale mit dem Sozialdemokraten. Bei der tiefen Kluft in den Weltanschauungen, die sich zwischen Liberalismus und Sozialdemokratie auftut, dann aber vor allem aus Liebe und Treue zu Vaterland und Monarchie hielt ich es für meine selbstverständliche Pflicht, für den Nationalliberalen

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