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Im deutschen Reich · 1912-03-01 · Heft 3 (März 1912) · p. 126

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
18 (1912)
Issue
Heft 3 (März 1912)
Article
Wahlbetrachtungen
Date
1912-03-01
Page
126 (sequence 6)
Language
German
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126 Im deutschen Reich. des Bundes der Landwirte bringt so ziemlich in jeder Bummer einen Ausfall gegen die Juden. Sie übertrifft darin alles, was früher von der „Staatsbürger-Zeitung", dem „Bayrischen Vaterland" und ähnlichen Blättern gesagt wurde. Es ist traurig genug zu sehen, wie immer und immer wieder speziell die Landbevölkerung mit den haltlosesten Verdächtigungen gegen das Judentum gefüttert wird und wie Leute, die gerade gegen die Sozialdemokratie den Vorwurf ungerechter demagogischer Verhetzung nicht laut genug zu erheben vermögen, an gewissenloser Hetze sicherlich alles übertreffen, was überhaupt in bezug auf Volksaufwiegelung für möglich gehalten werden sollte. Es ist recht bezeichnend, daß zur Beteiligung an einem aus Anlaß der Hauptversammlung des Bundes der Landwirte von Ostpreußen nach Berlin gehenden Sonderzuge auch Städter ausgefordert wurden, mit der Maßgabe, daß sie einem der christlichen Bekenntnisse a n g e h ö r e n müssen. Zur Illustration der Lage feien hier einige typische Stellen aus der schwarzblauen Presse angeführt: 1. „Die Bedeutung des Wahlkampfes liegt darin, daß dieser Wahlkampf sich als ein Angriff des Judentums und weiter gefaßt des jüdischen Geistes aus die Grundlagen unseres nationalen und völkischen Lebens gezeigt hat." (Graf Ernst zu Reventlow in der Deutschen Tageszeitung und in den Deutsch- Sozialen Blättern.) 2. „Gerade die Wahlen haben gezeigt, wo die größten Gefahren für das deutsche Volk liegen: iu dem Fremdkörper, der sich in unseren Volksleib hineingeschlichen hat und ihn geistig und körperlich zu vernichten droht. Heute wird man in der Kreuzzeitung nicht mehr eine Aufforderung finden zur Abänderung des Tivoli-Programms." (Staatsbürger-Zeitung.) 3. In einer fortschrittlichen Versammlung in Oberschlesien soll angeblich seitens eines Mitgliedes der Vorschlag gemacht worden sein, ein dortiges Zeutrumsblatt wegen seiner unsachlichen Angriffe zu boykottieren. Daraus kommt folgende Antwort: „And da steht ein jüdischer Liberaler auf und will von jüdischen Kaufleuten verlangen, daß. sie in dem Blatte der Katholiken nicht inserieren sollen, weil diese Zeitung für die Rechte der Katholiken eintritt? Weil sie die unverschämte Anmaßung der jüdischen Liberalen zurückweist? Von heute an beachtet genauestens unsere Zeitung. Feder jüdische Kaufmann, der nicht mehr in unserer Zeitung inseriert, er sei gemieden von Euch für jetzt und immer! Bsich t für einen Pfennig dürft Ihr ihm mehr abkaufen. Sein Geschäft meidet wie die Pest, und hallet Eure Freunde und Bekannte an, es zu meiden. Das soll die Ant-

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