Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 3 (März 1912)
- Article
- Wahlbetrachtungen
- Date
- 1912-03-01
- Page
- 124 (sequence 4)
- Language
- German
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1 24 Im deutschen Reich. bildeten Altramontauismus einzustürmen, sich einmalgegen das Vordringen des semitischen Geistes z u r Wehr setzen, welcher wie ein P e st h a u ch auf dem deutschen Lande liegt." And wenn im Sauerlande ein katholischer Geistlicher ausrust: „ Stürmt die Synagogen und laßt die heilige katholische Kirche inRuhe! Stürmt die Synagogen, aber hierzu habt ihr nicht den Mutz da hindert euch eure Verbindung mit den reichen Börsenjuden." Oder wenn ein Mann, wie der Generalsekretär des Volksvereins für das katholische Deutschland in einem Briefe an einen Parteisekretär folgendes schreibt: „Wir brauchen noch zur Vervollständigung einer statistischen Abhandlung über die Stellung der dortigen Iudenschaft zur Sozialdemokratie (Titel eines neuen Flugblattes, welches wir drei Tage vor der Wahl in Millionen Exemplaren an die Wähler verteilen lassen) einige Mitteilungen über die Beziehungen des dortigen Judentums zu den Führern der Sozialdemokratie. Es gilt einen Schlag gegen die rote und goldene Internationale zu führen, wovon sie sich sobald nicht wieder erholen wird." Oder wenn in einer Reihe von bayrischen Zentrumsblättern den Lesern die unglaublichsten Lügen über angebliche Rabbinerbriefe und Erklärungen jüdischer Synoden aufgetischt werden, die schon vor Jahrzehnten als grobe Erfindungen gekennzeichnet worden sind. Daß die Konservativen im Wahlkampfe an Rohheit der judenfeindlichen Agitation in einzelnen Wahlkreisen sogar die partei-antisemitische Agitation übertroffen haben, nimmt dann nicht wunder, wenn man weist, daß, wenn irgendwo ein Parteiantisemit mit einem Konservativen oder Zentrumskandidaten im Wahlkampfe stand, jede Partei durch Betonung ihres doch ebensogut antisemitischen Standpunktes der anderen die Wähler abzujagen suchte. Dabei hat man bei den Konservativen immer die Beobachtung machen können, daß, die Kandidaten selbst sich eine erhebliche Zurückhaltung und vielfach sogar ein gewisses vornehmes Auftreten bewahrt haben. Dagegen ließen die Parteisekretäre und Persammlungsredner es dann an den entsprechenden nachdrücklichen Anterstreichungen des antisemitischen Charakters ihrer Schützlinge nicht fehlen. Leider muß auch feftgeftellt werden, daß in ganz erheblichem Maße über judengegnerische Ausschreitungen einer Reihe von Kandidaten der nationalliberalen Partei zu klagen ist. Zum mindesten hat man sich auch hier antisemitischer Mätzchen bedient, wenn es sich darum gehandelt hat, durch Erweckung schlechter Instinkte in den Volksmassen Stimmung zu machen oder Applaus in einer Versammlung zu erhalten. Gewisse