Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 3 (März 1912)
- Article
- Das Judenedikt vom 11. März 1812
- Date
- 1912-03-01
- Page
- 118 (sequence 6)
- Language
- German
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Im deutschen Reich. Ms Marienwerder wurde vom König „wegen des im letzten preußischen Kriege bewiesenen Patriotismus und uneigennützigen Betragens" besonders ausgezeichnet*). So waren die Voraussetzungen für die Berechtigung der Gleichstellung in Preußen gegeben. Die Erkenntnis dieser Berechtigung wirkte auch bereits in der christlichen Amwelt. Das Buch des Kriegsrats Dohm: „Aeber die bürgerliche Verbesserung der Juden" war nicht nur der Ausdruck der abgeklärten staatsmännischen Weisheit eines Einzelnen, nicht etwa eine der bisher üblichen gutgemeinten Toleranzpredigten, sondern von der ehrlichen Aeberzeugung der sittlichen und politischen Notwendigkeit und Nützlichkeit einer Gleichstellung der Juden für den Staat diktiert**). 3u dem beglückenden Bewußtsein, für die heiligsten Rechte ihrer Gemeinschaft zu streiten, in ihren Aeberzeugungen durch die treue Mitarbeit der besten christlichen Mitbürger bestärkt, geleitet von dem ehrlichen Verantwortlichkeitsgefühl ihres Amtes übernahmen die Vertreter der größeren preußischen Gemeinden den Kampf um die Gleichstellung der Juden ihres Landes. An der Spitze der Berliner, der Königsberger und der Breslauer Gemeinde standen in diesen Tagen Männer, die sich ebenso durch ehrliches Wollen wie durch unbeugsame Tatkraft auszeichneten. Ihr anerkannter Führer war der aus Königsberg gebürtige Jünger Mendelssohns, der Leiter der Berliner Gemeinde in den Jahren der Emanzipationskämpfe: David Friedländer. Die Wahrung der Selbständigkeit der Gemeinden als der wichtigsten Organisationen zum Schutze ihres Rechtes, war der unverkennbare Leitsatz ihres Wirkens für die Gleichberechtigung Die Juden waren durch die Steinsche Städteordnung vom 19. November 1808 Stadtbürger in Preußen geworden. Es war nur natürlich, daß auch ihre staatsbürgerliche Stellung eine Aenderung im Sinne der Gleichberechtigung erfuhr. Die bisherigen Emanzipationsversuche der Regierung hatten den Juden nur geringe Erleichterungen gebracht. Die Notwendigkeit einer völligen Neuverfassung war zuerst dem Minister von Schrötter klar geworden, so daß der von ihm veranlaßte Entwurf des Kriminalrats Brand als der erste Schritt auf dem Wege zur Gleichberechtigung bezeichnet werden darf. In der Einleitung zu seinem Entwürfe erklärte Brand, daß man bisher die Frage der politischen und gewerblichen Rechtsfähigkeit der Juden fälschlich vom religiösen Standpunkte aus betrachtet hätte. Die Juden wären mit dieser Auffassung *) Sulamilh in, 1 (1810), S. 209. *1) d)gl. Franz Reust, Dohms Schrift „Aeber die bürgerliche Verbeperung der Juden" und deren Einwirkung auf die gebildeter Stände Deutschlands (Inaug. Diss.), Kaiserslautern o. F.