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Im deutschen Reich · 1912-03-01 · Heft 3 (März 1912) · p. 117

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
18 (1912)
Issue
Heft 3 (März 1912)
Article
Das Judenedikt vom 11. März 1812
Date
1912-03-01
Page
117 (sequence 5)
Language
German
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Das Judenedikt vorn 11. März 1812. 117 verlieh den Inden Preußens eine ganz andere Stimmung gegenüber der Gleichberechtigung als z. B. den französischen. Man vergleiche die Rückgratschwäche des von Napoleon 1806 nach Paris berufenen Sanhedrins mit der bewußten Würde der 1787 nach Berlin berufenen Deputierten der preußischen Iudenschaft. Die nicht etwa von den Juden gewählten, sondern von den Präfekten bestimmten Mitglieder des Sanhedrins waren gefügige Werkzeuge in der Hand Napoleons. Sie begrüßten die Berufung als unverdiente Gnade, sie vergötterten in Napoleon den neuen Messias. Dabei war ihnen schon vor 15 Jahren das volle Bürgerrecht verliehen worden, so daß sie das kaiserliche Dekret vom 30. Mai 1806 als offene Rechtsverletzung und bittere Ehrenkränkung hätten empfinden müssen; die ihnen vorgelegten Fragen zwangen ihnen die erwarteten Antworten selbst gegen ihr besseres Wissen und Gewissen auf. Das war das Zerrbild der Juden im Kleide der geschenkten Freiheit. Die preußischen Juden dagegen wußten, daß Freiheit nicht verschenkt werden kann; sie fühlten sich als Sendboten ihrer Gemeinden, die nicht um ein Vorrecht betteln, sondern die Anerkennung eines Rechtes durchsetzen sollten. So ist das Edikt vom 11. März ein Triumph des selbstbewußten Judentums in Preußen, eine Anerkennung seines Rechtes und seines Wertes für das Vaterland. Das Vorbild Moses Mendelssohns hatte den preußischen Juden die Vereinbarkeit deutscher Kultur mit echtem Judentum dargetan. Mendelssohn war weder durch die Wissenschaft am Vaterglauben irre geworden, noch durch den Aufschwung zu bürgerlichen Ehren aus der Bahn des Judentums gerissen, er war ebensowenig durch seine Freundschaft mit hochgeachteten Christen zur Untreue verführt, wie durch die Liebe zum Deutschtum dem Judentum entfremdet worden. Interessant ist die lange Liste der bereits 1798 in Preußen für Kunst und Kultur tätigen Juden, die der Arzt Dr. Wolf Davidson zusammengestellt hat. Sie beweist die geistige Vollwertigkeit der preußischen Juden schon damals und erzählt von ihrem unermüdlichen Bildungseiser. Neben dieser Anteilnahme an deutscher Bildung und Kulturarbeit hatte aber auch die Vaterlandsliebe in den Herzen der preußischen Juden tiefe Wurzeln geschlagen. Der Dienst im vaterländischen Heere war naturgemäß bisher nur selten von ihnen geleistet worden. Aber es gab doch bereits vor dem Edikte in der preußischen Armee jüdische Soldaten*). Joseph Freund aus Königsberg wurde von Stein „wegen seiner freiwilligen und braven Militärdienste" 1808 belobt**). Zacharias Daniel in *) Henckel von Donners march Darstellung der bürgerlichen Verhältnisse usw, Leipzig 1814, Seite 113. **) Max Lehmann, Freiherr von Stein, I, 524.

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