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Im deutschen Reich · 1912-03-01 · Heft 3 (März 1912) · p. 115

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
18 (1912)
Issue
Heft 3 (März 1912)
Article
Das Judenedikt vom 11. März 1812
Date
1912-03-01
Page
115 (sequence 3)
Language
German
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Das IudenedikL vom 11. Marz 1812. H--' Sklaverei entlassen, aber die Sklavenseele lebt noch in ihnen; sie können es noch nicht begreifen, ohne Sklavenketten und Peitschenhiebe leben zu dürfen. Allerdings haben die preußischen Juden unsagbar schwere Verluste in diesem Kampfjahrhundert erlitten. Sie haben mit innerem Erröten und beschämtem Erschrecken alljährlich erleben müssen, daß nicht des Feindes Schwert, sondern Verrat und Fahnenflucht breite Lücken in ihre Reihen gerissen haben. Aber noch gibt es viele Tausende im preußischen Judentum, für die Judentum gleichbedeutend mit Ehre und Gewissen ist, denen das Recht der Juden als eine heilige Selbstverständlichkeit gilt. Sie wollen kein Vorrecht, sie dulden kein Anrecht, sie fordern ihr Recht. Alles, was die Vorfahren vom 11. März 1812 erwartet haben, hat das erste Jahrhundert der Freiheit den Nachkommen wahrlich nicht gebracht. Sie sind dem Wortlaut des Gesetzes nach Vollbürger, sie sind nach der Verfassung voll gleichberechtigt. Aber man hat kleinliche Mittel und Wege gefunden, ihr Recht zu verkürzen und zu verkümmern. And doch haben sich die preußischen Juden die Freude am Vaterlande nicht schmälern lassen. Das ist ein Ruhm für fie, ein Zeugnis für die Echtheit und Ehrlichkeit ihrer Liebe zum Vaterlande, daß die verletzenden Nadelstiche, die peinigenden Ehrenkränkungen es nicht vermocht, haben, die Juden zu verärgern und sie innerlich dem Heimatlande zu entfremden. Diese Festigkeit inmitten der Verlästerungen ist nicht etwa die Wirkung ihrer Anterdrückung nicht die Aeußerung ihres Knechtsinnes. Ihr Fernbleiben von hösischer Kriecherei und ihr Festhalten am Judentum bürgen dafür, daß nur ehrliche Aeberzeugung und wahrhaftige Liebe zum Vaterlande fie ans Vaterland ketten. Von diesem aufrechten preußischen Judentum erzählt die Geschichte des 11. März. Ist doch die Iudenemanzipatlon in Preußen kein Gnadengeschenk des Staates, sondern der Ehrenpreis für ehrliches Verdienst. Das ist der bedeutsame erste Unterschied 'der preußischen Iudenemanzipatlon von der Bewilligung der Gleichberechtigung in anderen Teilen der Erde. Die Erklärung der Menschenrechte in Nordamerika hatte allerdings die Rechtsgleichheit aller Bekenntnisse oder richtiger die völlige Trennung des Staates von der Kirche zur Folge; die Juden wurden infolge der politischen Ereignisse gleichberechtigte amerikanische Bürger. Auch die Gleichberechtigung infolge der französischen Revolution war mehr eine Aeberraschung als das Ergebnis natürlicher Entwicklung. Allein die preußische Emanzipation trägt die Sonderart innerer Berechtigung. Sie ist das notwendige Endergebnis einer Kette bedeutsamer Voraussetzungen. Hier ist die Befreiung fast schrittweis erkämpft, zuerst

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