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Im deutschen Reich · 1912-03-01 · Heft 3 (März 1912) · p. 114

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
18 (1912)
Issue
Heft 3 (März 1912)
Article
Das Judenedikt vom 11. März 1812
Date
1912-03-01
Page
114 (sequence 2)
Language
German
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114 Im deutschen Reich. Trümmer ihrer Selbständigkeit in Kanaan durch die Römer - das jüdische Mittelalter hat 300 Jahre länger gedauert als bei den Völkern ringsum — es schließt mit der Erklärung der Menschenrechte für die Juden durch die französische Rationalversammlung. Das erste Jahrhundert der Reuzeitgeschichte der Juden ist jetzt abgeschlossen. Hat es den Juden alles gebracht, was die Väter und Mütter von ihm erhofft? Haben sie sich der gewährten Freiheit würdig erwiesen? Eigentlich nur eins dürfen die preußischen Juden an diesem Tage mit frohem Selbstgefühl behaupten: sie haben treue Fahnenwachr an dem so oft bedrohten Banner ihrer Freiheit gehalten. Sie haben durch ihr zähes Festhalten an dem Erreichten, durch ihr ehrliches Ringen um die Durchsetzung des ihnen'gegebenen Versprechens, ein ernstes Anrecht an die Freiheit erworben und erhalten. Die redlichen Vorkämpfer haben nie gefehlt, die für die Freiheit mit ganzer Persönlichkeit eingetreten sind, und auch heute hält eine stolze Ehrenreihe die Fahnenwacht an ihrer Freiheit. Daß aber solche Kämpfe notwendig gewesen sind, die Freiheit zu erhalten, das errungene Recht zu schützen, daß noch heute nach hundert Jahren die Zahl derer wahrlich nicht klein ist, die den Juden ihr Recht rauben wollen, muß den Menschenfreund 3ii bitteren Betrachtungen über die Beharrlichkeit der Vorurteile, über die in der Menschheit noch immer so geringe Kraft echter Menschlichkeit veranlassen. Aber der Ehrenkampf der preußischen Juden im letzten Jahrhundert darf andererseits als die Feuerprobe für die Berechtigung der Emanzipation, als die Bejahung der zweiten Frage betrachtet werden, ob die Juden Preußens für die Freiheit schon reif gewesen, ob sie die Freiheit wirklich verdient haben. Wer hat ein Anrecht auf gewährtes Recht? Wer es verteidigt als sein höchstes Gut! Gewiß fehlten und fehlen unter den preußischen Juden nicht solche, die unsichtbare Ketten tragen, die sich vor allem und jedem scheu ducken und bücken, die um fremdes Lächeln buhlen und betteln, die sich kein eigenes Urteil in ihren ureigensten Lebensfragen Zutrauen, die gleichsam jeden um Entschuldigung für ihr Dasein bitten, die zwar politisch frei, aber seelisch versklavt sind, Knechtsseelen im Gauklerkleid einer unbegrifsenen Freiheit. Schlimmer aber als diese, gefährlicher für die bewußten Juden, weil sie deren Ansehen unheilbar schädigen und schänden, sind jene, welche als einzige Lebenslosung den Grundsatz betätigen: „nur nicht jüdisch", die in Sklavenangst durch das Leben schleichen, daß man ihnen ihr Judentum anmerken. und übelnehmen werde, die es wie einen entstellenden Geburtsfehler verhehlen und verheimlichen. Sie haben den Freibeitsruf nicht verstanden; sie sind emanzipiert d. h. aus der

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