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Im deutschen Reich · 1912-02-01 · Heft 2 (Februar 1912) · p. 98

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
18 (1912)
Issue
Heft 2 (Februar 1912)
Article
[Ohne Titel] / L.
Date
1912-02-01
Page
98 (sequence 8)
Language
German
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IRI
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98 Im deutschen Reich. zrrm Kadi. Hier verlangt er ungestüm sein gutes Recht, nämlich die Bestrafung der Christen." Daraufhin zogen die jüdischen Geschäftsleute, aufs schwerste gekränkt, fast ausnahmslos die Annoncen zurück, und beschlossen mehrfach, das Abonnement auf dieses Blatt abzubestellen. Die Ortsgruppe selbst beschloß zunächst abzuwarten, welche Stellungnahme die Vereinigung der Fortschrittlichen Volkspartei, der Müller angehört, zu dieser Verletzung der Grundprinzipien des Freisinns einnehmen würde. Der Reichsverein, d. i. die Organisation der Fortschrittlichen Volkspartei in Gotha, hat nun zu dem antisemitischen Ausfall ihres Organs sich folgendermaßen gestellt. In einer Vorstandssitzung, der die beiden jüdischen Mitglieder absichtlich fern blieben, wurde scharfer Protest gegen den Artikel eingelegt und beschlossen, folgenden Brief an den Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde, zu Händen des Herrn Fabrikbesitzers Julius Simson- Gotha, zu senden: „Im Aufträge des Vorstandes des Reichsoereins teile ich Ihnen ergebenst mit, daß der Vorstand in seiner Sitzung vom 15. d. M. über den in Rr. 290 des „Gothaischen Tageblatts" gebrachten Artikel „Line sonderbare Geschichte" einstimmig seine Mißbilligung ausgesprochen und von dieser seiner Auffassung auch der Redaktion des „Gothaischen Tageblatts" Kenntnis gegeben hat." Inzwischen aber war von seiten der jüdischen Geschäftsleute das Annoncieren im Tageblatt gänzlich eingestellt worden, und die Folge dieser Maßnahme war, daß nach einigen Tagen der Verleger mit dem Redakteur Müller bei Herrn Simson zu einer Aussprache erschien. Der Redakteur begann zunächst mit einer Erklärung des Bedauerns über den Artikel mit der eigentümlichen, aber bei seiner Charakteranlage bekannten und schon öfter gehörten Motivierung: wenn er gewußt hätte, daß sein Verlag geschädigt würde underGefahrliefe,seine Stellungzuverlieren, hätte er das nicht geschrieben. Es wurde ihm aber zu verstehen gegeben, daß es sich hier darum handle, ob er Antisemit sei oder nicht und man Garantien für die Zukunft haben müsse, worauf er sich zu folgender schriftlichen Erklärung bereit erklärte: „Im Interesse des Einvernehmens zwischen den israelitischen und christlichen Mitbürgern bedaure ich die Erregung, die die Rotiz in Rr. 290 des „Gothaischen Tageblatts" „Eine sonderbare Geschichte" in der israelitischen Kultusgemeinde hervorgerufen hat. Eine antisemitische Wirkung habe ich nicht beabsichtigt, ebenso liegt es mir vollständig fern, in dem meiner Leitung anvertrauten „Goth. Tageblatt" jemals

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