Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1912)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1912-02-01
- Page
- 85 (sequence 8)
- Language
- German
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Am scharr. 85 kämpfen, aber diesem Kamps stets ausgewichen ist, um unter dem Vorgeben, Stützen von Thron und Altar zu sein, ungestört überall Unzufriedenheit mit den bestehenden Verhältnissen zu verbreiten und dadurch die Bekenner der verschiedenen Religionen zu entzweien. Die Regierung ist darüber nicht mehr im Unklaren,' denn die Antisemitenpresse klagt neuerdings beständig über die Haltung der offiziösen Presse. Die „Staatsbürger- Zeitung" wirft der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" vor, daß sie es versäumt habe, mit ihr Schulter an Schulter gegen den Liberalismus zu kämpfen, sie aber wegen jeder Kleinigkeit rüffle. Dazu fügt sie aber den weiteren Vorwurf: „Die Negierung liebt eben die Leisetreterei und läßt eine Tat für das Deutschtum im Auslande lieber durch jüdische Namen decken, als daß sie dazu einer großen Vereinigung, die für die Verbreitung des alldeutschen Gedankens in kraftvoller und unermüdlicher Weise wirkt, die Mithilfe gestattet. Wahrlich, Winterschnee liegt auf dem nationalen Leben in Regierungskreisen, indes das Judentum bei uns allenthalben üppig in die Halme schießt." Davon haben die deutschen Juden bisher noch wenig gemerkt, wenn auch der Winterschnee, über den sich die Antisemiten beklagen, einen frischen und gesunden Luftzug in dem politischen. Leben Deutschlands herbeigeführt hat, der nicht nur antisemitische Miasmen vertilgen, sondern auch die Interessenpolitik beseitigen wird. Die Rückwirkung der während des ungewöhnlich heftigen Wahlkampfes gemachten Erfahrungen auf die Stimmung der Mehrheit des deutschen Volkes wird mächtig und heilsam sein; diese Stimmung wird besonders durch die wesentliche Verminderung der rückschrittlichen Stimmen auf die Regierungen einwirken. Schon während des Wahlkampfes trat die auffallende und vielverheißende Erscheinung hervor, daß von klerikaler Seite' bas Vorhandensein des schwarz-blauen Blocks entschieden bestritten wurde. Ebenso auffallend war der Eifer, mit dem bei ähnlichen Gelegenheiten von klerikaler Seite zwar die antisemitische Tonart beibehalten, aber doch dazwischen immer behauptet wurde, daß man nicht das gläubige Judentum, sondern nur den zersetzenden Einfluß der dem Atheismus und Monismus zuneigenden Juden bekämpfe. In einer kürzlich abgehaltenen Versammlung in Frankfurt a. M. bestritt der Reichstagskandidat Schwarz, daß das Zentrum ultramontan