Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1912)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1912-02-01
- Page
- 84 (sequence 7)
- Language
- German
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84 Im deutschen Reich. durch den nationalliberafen Gegenkandidaten aus dem Felde geschlagen, im Kreise Eschwege-Schmalkalden Raab, im Kreise Homburg (Pfalz) S t a u f f e n durch sozialdemokratische Kandidaten usw. Immerhin sind noch bei den Stichwahlen vier Mandate auf diese Partei gefallen, die bei einer richtigen Würdigung ihrer Schädlichkeit für den inneren Frieden durch die Parteien der Linken und bei Vermeidung taktischer Fehler wahrscheinlich aus der Volksvertretung ganz zu verdrängen gewesen wäre. So haben zwei Mitglieder der Wirtschaftlichen Vereinigung Vogt und Vietmeyer die Mandate von Hall in Württemberg und Waldeck, die radikalen Antisemiten Dr. Werner und Bruhn die von Gießen- Grünberg und Arnswalde-Friedeberg erlangt. Da außer diesen vier antisemitischen Größen schon bei der Hauptwahl von der Wirtschaftlichen Vereinigung: Lic. Mumm, Bachmaier, Gebhardt, Vogt (Crailsheim), Burghardt, Herzog, Rupp und Behrens, von der Reform-Partei: Werner und Grafe Mandate erlangt hatten, wird im neuen Reichstage der offene Antisemitismus durch 14 Abgeordnete vertreten. Schon vor dem letzten Stichwahltage, bei dem kein offener Antisemit mehr in Frage kam, stand es fest, daß diese Partei, wenn auch nicht völlig besiegt, bei den diesmaligen Wahlen eine sehr schwere Riederlage erlitten habe, daß, einige Vertreter dieser Partei, wie z. B. Mumm und Vogt, ihren Erfolg lediglich dem Beistand des Zentrums verdanken. Das Zentrum hat zwar nur wenige Mandate verloren, aber in Bezug aus die Zahl der Stimmen empfindliche Einbußen erlitten, die wohl auf das Verlassen der von Windthorst und Lieber eingeschlagenen Bahn zurückzusühren sind. Gine ausführliche Würdigung der Ergebnisse und Erfahrungen bei diesen Wahlen werden wir inr nächsten Hefte bringen. Die diesmaligen Wahlen haben zweifellos bewiesen, daß die Mehrheit des Volkes der mit dem Antisemitismus verschwesterten Agrardenragogie überdrüssig ist/') Auch die Regierung wird aus dem Gang und dem Ergebnis der Wahlen die Lehre ziehen, daß ihre schlimmsten Feinde nicht dort stehen, wo man wahre Bürgerfreiheit fordert, sondern, dort, wo man sich den Anschein gibt, die Sozialdemokratie zu be- *) Die Vorsitzenden unserer Ortsgruppen erhalten demnächst nähere Angaben über unsere Tätigkeit bei den Wahlen.