Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1912)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1912-02-01
- Page
- 82 (sequence 5)
- Language
- German
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82 Im deutschen Reich. schwerlich eine Vorstellung zu machen vermögen. Wir haben es ja schon oft betont, und fast auf jeder Seite der deutschen Geschichte steht es mit Blut geschrieben: Ohne Varus für uns kein Armin, ohne Jena für uns kein Sedan! Wir lassen uns also nichts weismachen und halten uns an das Gewisse. Rn dem Grabe des alten Parteinationalismus pflanzen wir froh die Hoffnung auf. Jawohl, wir jubeln dir zu, du junges Jahr! Hinter uns im Grauen der Rächte lassen wir alle Kümmernisse, und vor uns den 12. Januar, er hat für uns keine Schrecken. Die Jugend ist unser und damit die Zukunft! Der deutschen Jugend sind wir deshalb so sicher, weil sie jetzt die unselige Erbschaft ihrer vom jüdischen Geiste verblendeten Vater antritt." Wen das Antisemitenblatt zu den ,,vom jüdischen Geiste verblendeten Vätern" rechnet, bedarf so wenig der Erläuterung als eine Erklärung, auf wen sie ihre Zukunftshoffnungen baut und wem sie 'zutraut, daß er die „Teutonenwut" entfesseln werde. Roch vor diesem blutrünstigen Artikel hatte die „Voss. Zeitung" erklärt: „Auf einen Pogrom nach russischem Muster scheint die „Staatsbürger-Zeitung", die sich nur noch im Schlepptau der „Deutschen Tageszeitung" über Wasser hält, auch in Deutschland zu hoffen. In einem Artikel über' die Juden in Rumänien heißt es zum Schluß: „Diese Zahlen reden eine furchtbare Sprache. So soll das arme rumänische Volk durch jüdischen Schnaps und jüdischen Wucher und jüdische' Zeitungen systematisch zugrunde gerichtet werden. — Aber auch dort lebt in den geistigen Führern des Volkes, wie bei uns, eine stille, doch gewisse Hoffnung, daß sich das Blatt bald wenden muß und trotz allem der I u d e n E n d e rötlich heraufdämmert." In einem Wahlflugblatt der Antisemiten wurde am Schlüsse gesagt: „Unser Volk ist durch die magischen Kräfte des Fremdlings in Schlaftrunkenheit, in Hypnose versetzt, so daß es willenlos den Einslüsterungen des Fremdlings preisgegeben ist. Helft diesen Bann zerreißen! Es gibt nur eine Kraft, die ihn brechen kann: Die Keule der Wahrheit!" Dazu bemerkt die Zeitschrift „Tribüne": „Das sind ja Keulenschläge gegen die Wahrheit. Oder meint man mit „Keule der Wahrheit" etwa die „Wahrheit", die der bisherige antisemitische Reichstagsabgeordnete Wilhelm Bruhn verzapft? . . ." Wie die radikalen Antisemiten nicht davor zurückschrecken.