Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1912)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1912-02-01
- Page
- 80 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2316602-2316817-2316819--22352-2345774- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
so Im deutschen Reich. So ist es der „Kreuz-Zeitung" ergangen, als sie am 2*1. April 1911 leise anzudeuten wagte, es wäre für die konservative Partei kein Nachteil, wenn aus dem Tivoli-Programm das Bekenntnis des Antisemitismus gestrichen würde. So ist es neuerdings dem freikonservativen Führer v. Zedlitz-Neukirch ergangen, der am . 28. Dezember im „Tag" einen Artikel „Die Nekrutierung des diplomatischen und des Offizierkorps" veröffentlichte, in dem er eine bessere Verwertung der durch den Antisemitismus brach liegenden jüdischen Kräfte für den preußischen Staat mit folgenden Ausführungen anempfiehlt: „Eine der größten Schwierigkeiten für die volle Ausnutzung unserer steigenden Bevölkerungszahl für den Heeresdienst bildet die entsprechende Verstärkung des Osfizierkorps, und zwar sowohl der Berufswie der Reserveoffiziere. Unter diesem Gesichtspunkte erscheint es als ein schwerer Fehler, daß, abweichend von Bayern, im Bereich des preußischen Kriegsministeriums die Juden tatsächlich nicht nur von der Osfizierslausbahn, sondern sogar von dem Reserveoffizierkorps so gut wie ausgeschlossen sind. Die österreichischen Erfahrungen lassen darüber keinen Zweifel, daß dadurch unserem Heeresdienst und namentlich dem Reserveoffizierkorps eine nicht unerhebliche Anzahl tüchtiger Kräfte entgeht. Auch ist die Befürchtung nicht abzuweisen, daß der Ausschluß der Juden zu einer laxeren Prüfung der individuellen Eignung für den Heeresdienst bei den anderen Bewerbern und somit zur Aufnahme minderwertiger Elemente in das Ofsizierkorps führt. Im Interesse des Heeresdienstes selbst wird daher auch im Bereich der preußischen Heeresverwaltung mit der bisherigen, mit der Verfassung schwer zu vereinbarenden Aebung zu brechen sein. Die mir wiederholt entgegengehaltene Befürchtung einer Ueberflutung des Ofsizierkorps mit'Juden teile ich nicht. Bei strenger Prüfung der individuellen Eignung werden sich ungeeignete Elemente unschwer fernhalten lassen. Was nach sorgsamer Scheidung der Spreu von dem Weizen übrig bleibt, kann dem Heeresdienst nur zum Vorteil gereichen." Es konnte nicht überraschen, daß das agrarische Organ des „Bundes der Landwirte", die mit der Staatsbürger-Zeitung eng liierte „Deutsche Tageszeitung", sofort gegen den Konservativen losziehen würde, der in solcher Weise ihre guten antisemitischen