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Im deutschen Reich · 1912-02-01 · Heft 2 (Februar 1912) · p. 77

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
18 (1912)
Issue
Heft 2 (Februar 1912)
Article
Sind die galizischen Juden Wucherer?
Date
1912-02-01
Page
77 (sequence 3)
Language
German
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<Bxnb die galizischen Juden Wucherer? 77 nicht die Rede davon sein könne, daß die Inder: überwiegend v o m Zwischenhandel und Darle h n s geschäf L leben. , 48 698 Juden sind in der Landwirtschaft und 73 208 in der Industrie tätig. Unter der Gesamtzahl der berufstätigen Bevölkerung Galiziens, die sich auf 3 778 591 bezifferte, machen die-im Warenhandel beschäftigten Juden nur 1,83 o/o, die im Geldhandel und Versicherungsgeschäft tätigen nur 0,3 o/0 aus. Weit schärfer ist die Behauptung, daß die Juden, welche vom Geld- und W a r e n h a n d e! leben, Wucherer seien, zurückzuweisen, denn sie entbehrt vollkommen des Beweises. Die Beschuldigung, daß die Juden Geld- und Marenwucher treiben, ist nicht neu; sie ist bereits öfter erhoben und immer wieder als unwahr zurückgewiesen worden, so daß man sich eigentlich wundern muß, sie wiederum auftauchen zu sehen. Galizien ist bekanntlich ein wirtschaftlich gering entwickeltes, armes Land, in dem bei dem Mangel an Bargeld und bei dem hohen Risiko naturgemäß hohe Zinsen gezahlt werden müssen. Wir dürfen daher nicht mit unserer Vorstellung von der Höhe des Zinsfußes an dir Beurteilung der ganz anderen VerhLltnisse. Galiziens herantreten. Auch bei uns ist gesetzlich nicht ein bestimmter Zinsfuß als wucherisch bezeichnet worden, und noch viel weniger ist dies in Galizien der Fall, wo ein Zinsfuß von 12".o nach der Motivierung, welche der ehemalige Justiz minister Dr. v. Glaser d e m von ihm verfaßten Wuchergesetze gegeben hat, nicht als wucherisch angesehen werden kann. Seit dem Bestände dieses Gesetzes, das ist seit mehr als einem Vierteljahrhundert, betreiben die galizischen Juden weder Geld-, noch Waren-, noch Grundwucher. Es bestehen allerdings zahlreiche Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften, welche die Kreditgeschäfte betreiben, es gibt aber deren ebensoviele christliche wie jüdische, und sowohl die christlichen wie die jüdischen sind je in einem Verbände vereinigt, welcher periodisch Revisionen unter staatlicher Oberleitung vornimmt. Schon vor Jahren ist dem damaligen . Iustizminister Dr. von S p en s -Booden der aktenmäßige Nachweis erbracht worden, daß es wohl einzelne christliche Genossenschaften gibt, welche bis zu 18o/o Zinsen nehmen, daß aber keine jüdische Genossenschaft über den Zinsfuß von 12 0/0 — der, wie bereits erwähnt, der Durchschnittszinssuß ist — hinausgeht. Ab und zu tauchen allerdings unwahre Beschuldigungen auch in Galizien gegen die Juden auf, und es wurden unter S p e n s - B o o d e n 50 Genossenschaften wegen angeblichen Wuchers in Untersuchung gezogen. D i e s e A n L e r -

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