Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1912)
- Article
- Sind die galizischen Juden Wucherer?
- Date
- 1912-02-01
- Page
- 78 (sequence 4)
- Language
- German
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78 Im deutschen Reich. such un g muß t e jedoch in sämtlichen Fällen -als vollkommen unbegründet eingestellt werden. Der Grund für den geringen Wohlstand unter den Deutschen Galiziens liegt vielmehr, wie Faust zu Anfang richtig bemerkt hat, in den allgemeinen trostlosen Verhältnissen des Landes. Es geht den Deutschen nicht besser und nicht schlechter als den Polen, Ruthenen und vor allem den Juden, deren Lage durch die Aufhebung des Propinationsrechtes am 31. Dezember 1910 so trübe geworden ist, daß sich auch' Äie galizische Landesregierung mit der Frage des Iudenelends näher beschäftigen' müßte. Es wurde eine Enquete veranstaltet, welche die Gründe der Verarmung der jüdischen Bevölkerung darlegen sollte. Bezeichnend für die allgemein u n g ü n st i g e Lage ist, daß im September 1910 von den Abgeordneten der christlich-sozialen Partei im galizischen Landtag der Antrag gestellt wurde, daß die abzuhaltende Enquete auch auf die christliche Bevölkerung ausgedehnt werden solle. Der Fragebogen der Enquete des galizischen Landesausschusses wirft unter Nr. 10 übrigens gleichfalls bereits die Frage auf, ob eine spezielle Landes- und Staatshilfsaktion für die galizischen Juden wünschenswert sei, oder ob sich nicht eine Ausdehnung der Hilfsaktion auf die ganze Bevölkerung Galiziens empfehle. * Umschau. erade zur rechten Zeit, den jüdischen Wählern Klarheit darüber zu verschaffen, was sie von der konservativen Partei zu erwarten haben, erschien eine neue Auflage des Handbuches der deutsch-konservativen Partei, in dem der Hauptverein der Deutsch-Konservativen sich wiederum rückhaltslos zu dem antisemitischen Tivoli-Programm mit folgenden Worten bekennt: „Der Vorschlag, den Satz des konservativen Programms: „Wir treten entgegen dem zersetzenden, insbesondere entsittlichenden Einfluß des Judentums", — zeitgemäß zu ändern, da heute die zersetzende Wirksamkeit mehr von sozialdemokratischer und atheistischer, Seite ausgeht, wird wohl vorläufig wenig Beifall finden. Gerade in den zuletzt genannten Bewegungen