Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1912)
- Article
- [Ohne Titel] / Weigelin
- Date
- 1912-01-01
- Page
- 48 (sequence 9)
- Language
- German
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Im deutschen mietet). 4fi Annonce ab geändert wird. Ich sende Ihnen die Annonce, wie sie seit Ende November in den ärztlichen Mitteilungen erscheint. Ich wäre Ihnen für eine Berichtigung in Ihrer Zeitschrift sehr dankbar, da mir der Vorwurf einer Pietätlosigkeit gegen meinen Vorgänger, Herrn Geh. Rat Prof. Königshöfer nicht gleichgültig sein kann. Dafür, daß die Lharlotten-Heilanstalt Ihre Haltung gegenüber Angehörigen des jüdischen Glaubens nicht geändert hat, möge Ihnen auch der Umstand als Beweis dienen, daß neben mir als leitender Arzt ein jüdischer Augenarzt, Herr Dr. med. Drucker, nach wie vor an der Lharlotten-Heilanstalt tätig ist. Ich erkläre Ihnen nochmals ausdrücklich, daß die Auslegung der betr. Annonce eine völlig irrtümliche ist und daß jüdische Bewerber um die Assistentenstelle an der Lharlotten-Heilanstalt genau dieselbe Behandlung erfahren werden, wie Angehörige anderer Konfessionen. Hochachtungsvoll . gez. Dr. Weigel in. Zu der vorstehenden Berichtigung des Herrn Di'. Weigelin bemerken wir: wenn ein Arzt ein Stellenangebot in dem offiziellen Organ des Leipziger Aerzteverbandes, den „Aerztlichen Mitteilungen", veröffentlichen will, so erhält er vom Verbandsbureau ein Formular zugesandt, in welchem Zeile 15 und 16 folgendermaßen lauten (auch im Originalformular unterstrichen): Bestimmte Religion des Bewerbers Bedingung? (Wenn nicht unbedingt erforderlich, Verzichlleistung hierauf erbeten.) Nur dann, wenn der betreffende Arzt trotz dieser Bitte ein bestimmtes Religionsbekenntnis fordert, setzt das Bureau zu der Anzeige die Worte „Angabe der Konfession", während die früher gebrachte Formel „Christ" nicht mehr angewendet wird. Wir können deshalb nicht verstehen, wieso Herr Dr. Weigelin das Odium seines Vorgehens von sich auf die Redaktion per „Aerztlichen Mitteilungen" abwälzen will, die doch so eindringlich wie möglich von konfessionellen Unterscheidungen abrät. Wir können auch nicht anerkennen, daß die Tätigkeit des Herrn Dr. Drucker an der Charlottenheilanstalt die paritätische Gesinnung der Vorstandsschaft beweist, denn Herr Dr. Drucker hat dem Judentum längst den Rücken gekehrt. .Aufrichtige Genugtuung empfinden wir jedoch über die ausdrückliche Versicherung des Herrn Dr. Weigelin, dast er in Zukunft jüdische Bewerber ebenso wie christliche behandeln wird. *