Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1912)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1912-01-01
- Page
- 33 (sequence 5)
- Language
- German
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Umschau. 33 Antisemit vor der schwarzen Internationale. Dann gedachte er der goldenen Internationale, um schlankweg zn behaupten, daß Rom und Juda einmütig zur Zurückdrängung der ihnen gefährlichen deutschen Art zusammenstehen. Das katholische Hauptorgan in Berlin, die „Germania", hat aber unseres Wissens sich immer mehr in der Nähe der antisemitischen Gesinnungsgenossen des Herrn Ioksch gehalten als in der Judas. Was der Ostmärker über die rote Internationale sagte, würde die „Germania" sogar wahrscheinlich unterschreiben, denn es war das zugkräftige Märchen, daß die sozialdemokratische Bewegung von der internationalen Hochfinanz bezahlt werde. Wer seinerzeit die Berliner Bewegung bezahlt hat, darüber schwieg des österreichischen Gastes Höflichkeit. Zum Schluß gedachte er noch des „perfiden Albions", das unser Streben, nach kolonialer Macht durchkreuze. In der Lage der Juden in dessen Regierung sich jetzt mit dem „perfiden Albion" an]= fallend angefreundet zu haben scheint, hat sich seit dem Hinscheiden Stolypins keine wesentliche Besserung vollzogen, weil der neue Premierminister Kokowzew, dem man eine größere Vorurteilslosigkeit und gediegenere wirtschaftliche Anschauungen als seinem Vorgänger zugetraut hat, bisher wenig getan hat, dieses Vertrauen zu rechtfertigen. Die Pogrome haben aufgehört, aber die Juden werden wie früher wirtschaftlich und sozial boykottiert.' Bei dem Unternehmen der durch Podolien und Wolhynien zur rumänischen Grenze führenden „flavischen Bahn" wurden die Juden von der Beteiligung vollständig ausgeschlossen, die Lieferungen für das Heer sind ihnen ausnahmslos entzogen. In der Duma betreiben besonders die Polen den Antisemitismus. Arglistigerweise war in der Duma von dem Nationalisten Krupenski beantragt worden, die im russischen Reiche für die Juden geltenden Bestimmungen auch auf Finnland auszudehnen, was eine erhebliche Erweiterung der Rechte der Juden in Finnland bedeuten würde. Gegenwärtig leben dort nur etwa 1000 Juden, deren Vorfahren im Krimkriege als Soldaten gekämpft und von der Regierung die Erlaubnis erhalten hatten, sich in Finnland anzusiedeln. Neuer Zuzug ist unbedingt untersagt; den Nachkommen der erwähnten Soldaten sind auch im Lause der sechzig Jahre von der finnländischen Gesetzgebung die primitivsten Rechte entzogen worden. Krupenskis Zweck war offenbar nur, zu beweisen, daß die Juden in dem antokratischen Rußland immer noch besser gestellt seien als ihre Glaubensgenossen in der finnländischen Demokratie. Nachdem dieser Beweis geliefert worden, zog Krnpenski sein Amendement