Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1912)
- Article
- Die rheinisch-westfälische Tagung
- Date
- 1912-01-01
- Page
- 28 (sequence 9)
- Language
- German
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28 Im deutschen Reich. Sie hätten sich die Emanzipation verdient, indem sie an der Begründung und am Aufschwung des deutschen Nationalstaates ehrlich mitgearbeitet hätten. Mit ausländischen Judengemeinsam betätigten sie sich auf dem Gebiete der Menschenliebe in Deutschland, seien sie tu Lreii.ee deutscher Gesinnung allem Vaterländischen verbunden. Allen Berufen — nicht bloß dem Kaufmannsstande - wenden sie sich zu. Vor: den etwa 120 000 dem Erwerb nachgehenden deutschen Juden seien 12 000 Gewerbegehilfen und Fabrikarbeiter. Ls gebe jüdische Sekretäre, Gerichtsvollzieher, Aktuare, Steuereinnehmer, Stationsvorsteher. Die deutsche Landwirtschaft halte die Juden geflissentlich von sich fern — zu ihrem Schaden. Inden würden in Ahlem zu Landwirten ausgebildet. Die Arbeit des Hilfsvereins der deutschen Juden und der Zionisten in Palästina beweise von Lag zu Lag mehr, daß aus Juden tüchtige Bauern und Landarbeiter werden können. Von den Nobelpreisträgern seien 1907 einer, 1905 zwei, darunter Ehrlich — 1909 wiederum einer Jude gewesen. Die Regierung verkenne ihre Aufgabe, wenn sie so nützlichen Elementen gegenüber sich ablehnend verhalte. Das Volk sei nicht antisemitisch. Antisemitismus sei hervorgegangen aus Neid und Ankenntnis. Aufklärung würde helfen. Die Juden sollten sich — jeder, wo es ihm nach seiner sozialen Stellung zukommt — zu. ihren christlichen Mitbürgern gesellen und in gehöriger Mitarbeit Aufklärungsdienste leisten. Dann bedürfe es auch nicht der Gründung besonderer jüdischer Vereine auf verschiedenen Gebieten. In den politischen Parteien — ein jeder bei der seinen — sollten sie antisemitischen Neigungen kräftig entgegentreten. Nicht der Name der Partei, sondern die Gesinnung des Kandidaten müsse bestimmend sein. Eifrige Arbeit aller Gutgesinnten würde schließlich zum Siege des Rechts führen. Stürmischer, langanhaltender Beifall belohnte . den Redner. I u st izraL Auerbach beleuchtete in kurzen mit Beifall aufgenommenen Ausführungen das Arbeitsgebiet des Eentral-Vereins. Rechtsanwalt Abel-Esfen, ein Mitglied des Zentralvorstandes, zeigte an wirkungsvollen Beispielen, wie sich im einzelnen die Arbeit des Vereins, und zwar gerade jetzt zur Wahlzeit, gestalLe. Lin Sozialdemokrat Schröter pries seine Partei als die grundsätzliche und praktische Gegnerin des Antisemitismus. Rechtsanwalt Ludwig Cahen I betonte, daß die Cölner Zentrumspartei nicht als antisemitisch angesprochen werden könne. Sanitätsrat Auerbach tadelte, daß der Eentral-Verein nicht gegen die Aufstellung getaufter Juden als Reichstagskandidaten auftrete. Die Liberalen, die die Majorität in so viel Kommunen hätten, sorgten in der Praxis nicht dafür, daß Juden nach dem Maße ihrer Befähigung in die Aemter der Selbstverwaltung in Kommune und Provinzialverwaltung aufrückten. Jeder Jude müsse in erster Linie das Laufjudentum bekämpfen. Er wähle lieber einen Antisemiten als einen Mugdau. In seinem