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Im deutschen Reich · 1912-01-01 · Heft 1 (Januar 1912) · p. 27

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
18 (1912)
Issue
Heft 1 (Januar 1912)
Article
Die rheinisch-westfälische Tagung
Date
1912-01-01
Page
27 (sequence 8)
Language
German
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Die rheinisch-w estfälische Tagung. 27 blieben, sei. So bringe der preußische Etat für den evangelischen Kultus an 23 Millionen, für den. katholischen Kultus an sieben Millionen Mark jährlich ans, für den. jüdischen Kultus reinen Pfennig. Die 30 Millionen kämen, aber den Stenern auch der Juden. Dabei zahlten an Kirchensteuern in Preußen in einem der letzten Jahre die Katholiken auf den Kops etwa 1 Mark, die Evangelischen etwa 1,33 M., die Inden etwa 11 M., während die ganzere Staatssteueru in demselben Jahre 7,50 M. auf deu Kops der Bevölkerung ausmachten, ein deutliches Zeichen des Opfermutes der jüdischen Bevölkerung. Die Reichsregierung habe es nicht fertig gebracht, von den in Rußland reisenden Deutschen jüdischen Glaubens die Schmach des „Hebräerpasses" zu nehmen. Ausländer jüdischer?. Glaubens würden ans Grund geheimer, unter den deutschen Regierungen vereinbarter Bestimmungen nicht naturalisiert, auch wenn sie durchaus dazu geeignet seien. Die staatlichen Verwaltungen lehnten/ wie Iustizminister Schönstedt offen zugegeben habe, mit Ausnahme der Justizverwaltung die Anstellung von Juden ab. Rach der Anregung der Reaktionäre aus dem vereinigten Landtage von 1847 lasse man Juden zu D-irigentenstellen in der Verwaltung nirgend zu. Die Dause beseitige int Auge der Regierung das Hindernis. Als der Abgeordnete Wiemer einmal mit Anerkennung der gefallenen j ü d i f ch e n Sold a t e rt von 1870 im preußischen Abgeordnetenhause gedacht habe, habe das Stenogramm als Antwort verzeichnet.: „Lachen, Unterbrechungen und Heiterkeit rechts", eine Barbarei, die außer in Rußland in keinem Kulturstaate sonst möglich sei. Damit stände im Einklang, daß seit dreißig Jahren und länger auch der befähigtste Jude in Preußen nicht Offizier noch Reserveoffizier würde. Herr v. Einem, der als Kriegsminister offen den Antisemitismus als Ursache zugegeben, sei kurz darauf des seligen MiuisterLodes entschlafen. Sein Rachfolger Herr v. Heeriugeu stelle sich der Gleichberechtigung der Juden mit offener Feindseligkeit gegenüber. Für jüdische Gelehrte habe man tu Preußen, nur selten eine ordentliche P r o f e s s u r gehabt, trotzdem Lehnen die Juden, die ihre Religion als Priesterin der reinsten Menschenliebe verehren, d i e T a u f e ab: sie schätzen jede ehrliche Aeberzeugung, aber sie wollen, nicht durch Lüge zum Wohlleben gelangen. Wenn der Staat die Täuflinge nicht hätte, wäre er längst aus Gründen des zahlenmäßigen Bedürfnisses genötigt gewesen, auf die Inden bei Besetzung der Aemter zurückzugreifen. Mau schöbe heute die Juden zwangsweise in die Stellung des Rechtsanwalts und des Arztes hinein und eifere dann hinterher über zu großen Zudraug der Juden, zu diesen Bernsen. Die Juden hätten auf wirtschaftlichem wie auf geistigem Gebiete, ein wertvolles Stück geistiger K u 11 u r a rbeit verrichtet. Er nenne Rauten wie Lasker, Bamberger, BerLhold Auerbach, wie Rothschild und Bleichröder, Ballin, Rathenau, Isidor Löwe, James Simon und Leopold Sonuemauu,

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