Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1912)
- Article
- Eine neue Schrift über das Judentum
- Date
- 1912-01-01
- Page
- 15 (sequence 6)
- Language
- German
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Eine neue Schrift über das Judentum. 1 Mchtjude ist, darum wendet er seine Aufmerksamkeit vielen Dingen zu, die in jüdischen Büchern im allgemeinen nicht behandelt werden: was die Kinder im Hanse oder in der Synagoge sehen und erleben können, was der Lehrer selbst erklären soll oder was besondern Büchern und -Vortragen überlassen wird. Gerade solches zieht er mit Vorliebe in den Kreis seiner Darstellung. So bespricht er die Ritualgesetze der Inden ausführlich und mit dem ernstlichen Streben, fremde religiöse Bräuche zu verstehen, zu erkennen, wie sie ursprünglich gedacht sind und wie sie von gläubigen Gemütern ausgefaßt und geübt werden. Er behandelt eingehend die Vorschriften für Sabbate und Festtage, die Gebetordnung, die Bestimmungen über Zizis, Teflllim und Mesusa und andere Symbole und Zeremonien, die Reinheits-, Speise- und Ehegesetze. Ms eine besonders gelungene Schilderung sei die der Varmizwafeier hervorgehoben, die die Institution selbst, wie das, was die Eltern und der Knabe dabei denken und empfinden sollen, in einer besonderen Weise deutet, wie sie bisher noch nicht dargestellt wurde. Auch von andern Geboten und Einrichtungen werden uns nicht nur die statutarischen Bestimmungen mitgetellt, sondern sie werden in ihrem ganzen Zusammenhänge erfaßt und in ihrer Wirkung auf Herz und Gemüt gewürdigt. In andern Kapiteln zeigt der Verfasser sein Verständnis für das Leben, die religiösen Bedürfnisse und Empfindungen des einfachen Volkes. Neben einer Darstellung der autoritativen und Gelehrtenliteratur gibt er einen kurzen guten Aeberblick über die Volksliteratur des Jüdisch-deutsch und die in dieser Sprache geschriebenen Bücher, das Zeena-Areena, Simchas-Hanesesch, das Maasebuch u. a. mit einigen Auszügen daraus. Er schließt sein Buch mit Worten der Abwehr gegen die weit verbreiteten Vorurteile wider die polnischen Juden und insbesondere die Ehassidim, gegen „das Vorurtell einer dünkelhaften Superioritätsidee, die nicht kennt und nicht kennen lernen will, was hier verborgen liegt, sondern im Hochmut einer vermeintlich alles sonst Vorhandene überragenden Zivilisation und anderen vorüberschreitet und immer wieder also die Beziehungen des Menschen zum Menschen stört. ... Soll eine Kritik „gerecht sein, muß sie den Quellen nachgehen, welche ihr Leben aus dem Grunde der Volksseele empfingen. Das wird dem ehrlichen Arteil die Pfade ebnen. Das Menschheitsganze kann davon nur gewinnen". Mit einer solchen Anschauung von Menschen und Dingen, mit seinem Streben, die Juden zu verstehen, auch das ihm Fremdartige an ihnen zu begreifen und dadurch nach einem