Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1912)
- Article
- Eine neue Schrift über das Judentum
- Date
- 1912-01-01
- Page
- 14 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2316602-2316817-2316818-2345596--22246-2345656- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
14 Im deutschen Reich. im Lichte der allumfassenden Nächstenliebe uns näher treten, gegenseitig uns begreifen und achten lernen" (S. 178 f.). Das sind Worte, die alle beachten sollten, die Aber religiöse Dinge urteilen wollen, auch viele Liberale unserer Zeit, denen das Verständnis für religiöse Anschauungen und Einrichtungen nicht selten abhanden gekommen ist und die infolgedessen manchmal sehr schnell mit absprechenden Arteilen, wenn nicht gar mit dem Ausdrucke ihrer Geringschätzung und ihrem Spotte an sie herantreten. Ganz besonders möchten wir sie auch den Juden selbst zur sorgsamen Beachtung empfehlen. Manche von ihnen stehen unter dem nachhaltigen Einflüsse von Zeitungen, zu deren politischen an andern Tendenzen die Bekämpfung konfessioneller Richtungen, ihrer Vertreter und Einrichtungen gehört, und äußern sich über diese in einer Weise, die bei ihren Anhängern böses Blut macht und ungerechter, aber tatsächlicher Weise dem Judentum zur Last gelegt wird. Gar manches böse Wort, das wir dann zu hören bekommen, und mancher Angriff, über den wir uns beklagen, ist nur die Antwort auf unpassende Bemerkungen einzelner, die den Namen von Juden tragen. Noch mehr aber muß die Pflicht der Gerechtigkeit, die eigene Erfahrung, wie leicht unsere religiösen Lehren, Einrichtungen, Empfindungen von andern verkannt und wir dadurch gekränkt werden können, uns abhalten, über Menschen und Dinge uns zu äußern, denen wir nicht nahe genug stehen, um sie richtig zu kennen und über die zu urteilen uns jeder Grund und jede Veranlassung fehlt. JSfe forte offendas. Das ist ein goldenes Wort, das wir uns zur Richtschnur ganz besonders in konfessionellen Angelegenheiten nehmen sollen und das dem Satze unseres Hillel entspricht: beurteile einen jeden nach seiner guten Seite. Von dieser wahrhaft humanen und im besten Sinne liberalen Denkungsart geleitet, hat der Verfasser sein Buch geschrieben. Es „soll in die religiös-sittlichen Gedankengänge der jüdischen Religion den Fernerstehenden einsühren, Vorurteile beseitigen, irrige Anschauungen durch die Darbietung objektiver Belege richtig stellen und damit die Erkenntnis her Wahrheit über Judentum und Juden befördern helfen". Könnten wir von ihm nur sagen, daß es tatsächlich seinen Grundsätzen entspricht und vom Judentum nach jüdischen Quellen ein objektives Bild gibt, so wäre es damit schon als eine literarische Erscheinung seltener Art, als ein gründliches und beredtes Zeugnis eines kenntnisreichen und gerechten Nichtjuden für unsere Religion dankbar anzuerkennen. Aber es ist viel mehr. Es hat seinen eigenen selbständigen Wert neben den jüdischen Werken verwandter Art. Weil der Verfasser