Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1912)
- Article
- Die demokratische Grundlage des Central-Vereins
- Date
- 1912-01-01
- Page
- 9 (sequence 9)
- Language
- German
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Die demokratische Grundlage des Central--Vereins. entwickeln läßt und zusieht, wie es sich langsam verbreitet. Was wir wollen und müssen, ist der offene rücksichtslose Kampf gegen die Antisemiten, und dieser offene rücksichtslose Kampf ist ihnen -allerdings unangenehm. Beweis: Der Deutschnationale Handlnngsgehilfen-Veroand, dem wir recht ungemütlich geworden sind. Ls ist schon ein Stück Bekämpfung unserer Gegner, wenn man die verkappten zu offenen Feinden macht; denn die Treulosigkeit des verkappten Gegnertums schadet mehr als offene Feindschaft. Mit den offenen Gegnern ist man immer viel leichter fertig geworden als mit den heimlichen. Darum ist unser wesentliches Interesse: Dem Vermummten die Maske herunter! Wer endlich unsere Bestrebungen kennt und sie in sich ausgenommen hat, wird notwendigerweise Interesse an jüdischen Fragen überhaupt bekommen müssen. Denn unser Tätigkeitsgebiet ist so anregend und geeignet, die Persönlichkeit im politischen Sinne zu vertiefen, daß man sicherlich durch uns nicht gleichgültig gemacht, sondern im Gegenteil angeregt wird. Wer einmal für unsere Probleme Interesse gewonnen hat, wird sich auch zu anderen Fragen des Judentums nicht indifferent verhalten können. Wenn wir in Versammlungen immer darauf Hinweisen, daß unsere Tätigkeit letzten Endes daraus hinzielt, dem einzelnen Juden die Aeberzeugung beizubringen, daß das Judentum nicht eine Bürde, sondern eine Würde ist, so erweisen wir dadurch, wie ein jeder einsehen muß, auch der Gesamtheit einen Dienst. Lin Anhänger unserer Bewegung wird durch die Beschäftigung mit ihr dazu kommen, den lebenden Kräften im-Judentum, mag er sie auffassen wie immer er will, nachzugehen. Lr wird das Schutzjudentum ebenso von sich weisen wie das bloße Trutzjudentum. Lr wird in unserer jüdischen Gemeinschaft ein lebendiges und lebenswertes Glied unserer modernen Kultur sehen und sie deshalb erhalten wollen. Schläft aber unsere Organisation im Lande und glaubt man, die Leitung allein von einer Zentralstelle aus erwarten zu können, so haben die Mahner nicht unrecht. Denn richtig ist, daß mit der Bezahlung eines Beitrages zum Central-Verein die Pflicht-'des einzelnen der jüdischen Gesamtheit gegenüber ebensowenig erfüllt ist, wie etwa dem Verein gegenüber selbst. Aktives Interesse muß gezeigt werden und jeder muß in seinem Kreise unsere Fragen in seine Erörterungen ziehen. Da ist der Gedanke der Erstrebung der Gleichberechtigung der Juden identisch mit dem Gedanken der Selbstwehr, des Selbstbewußtseins und der Gesundung aller jüdischen Verhältnisse. Durchsetzen kann man aber dahingehende Forderungen nur durch eine demokratische Gestaltung des Vereinsleöens, darum soll es in unfern Reihen heißen: