Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1912)
- Article
- Die demokratische Grundlage des Central-Vereins
- Date
- 1912-01-01
- Page
- 8 (sequence 8)
- Language
- German
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8 Fm deutschen Reich. subjektive Empfindung des einzelnen abgestellt sind, problematisch. Ganz andern blickt ein Kollegium! Darum sollen niemals die Vorsitzenden der Ortsgruppen allein ihre Entscheidungen treffen, sondern immer erst die Mitglieder ihres Vorstandes zu einer Erörterung veranlassen. Dabei sollen sie nie vergessen, daß ihre Entschließungen im Interesse der großen Masse liegen müssen und daß persönliche Rücksichten und Empfindungen bei der Beschlußfassung durchaus in den Hintergrund zu treten haben. Wer glaubt, dadurch der Sache dienen zu können, daß er durch bureaukratisches und schematisches Vorgehen etwas erreichen kann, kennt die vielgestaltigen Verhältnisse der Juden in Deutschland nicht. Der Schuh drückt alle, aber an ganz verschiedenen Stellen. Diese Stellen ausfindig zu machen und im Interesse der Gesamtheit der deutschen Juden den Druck zu beseitigen, kann durch das Zusammenarbeiten der Vorstände der einzelnen Ortsgruppen in den Landesverbänden in durchaus wirksamer Weise erreicht werden. Dabei ist nichts so klein, daß es nicht erörtert werden müßte. Ob es sich dann lohnt, immer etwas in der Außenwelt zu veranlassen, ist eine andere Frage. Rur unerörtert soll nichts bleiben. Man übersieht vielfach, daß es etwas anderes bedeutet: eine Frage zur Diskussion stellen und eine Frage zum Gegenstand eines Eingreifens zu machen. IV. Gegner unseres Vereins wollen die Wirksamkeit unserer Tätigkeit dadurch herabsetzen, daß sie sagen: Druck erzeuge Gegendruck, und durch unser Eingreifen werde das Feuer geschürt, statt gelöscht. Andere besonders Gewissenhafte meinen, unsere Tätigkeit verleite viele Juden zu der Annahme, ihre Verpflichtungen der jüdischen Gesamtheit gegenüber durch Mitgliedschaft im Central- Verein erfüllt zu haben. Beide Irrtümer können nur entstehen durch Verkennnung der Grundlagen unserer Bewegung. Es ist durchaus richtig: Druck erzeugt Gegendruck. Es fragt sich nur erstens: innerhalb welcher Flächen und zweitens': wer hat zuerst gedrückt? Der logische Irrtum liegt darin, daß der Satz vom Druck so wirken muß, als ob durch den Druck gegen die Judenfeinde ein Gegendruck seitens der Gesamtbevölkerung provoziert werde. Das ist natürlich falsch. Es wird bestenfalls nur durch den Kampf gegen die Antisemiten deren Gegenstoß herdorgerufen. And dieser Gegenstoß ist notwendig, weil man sonst sich dem Feinde einfach auf Gnade und Angnade ergeben müßte. And dann haben wir doch gewiß mit dem Druck nicht begonnen! Soll man aus Furcht vor einer Reaktion den Kampf ruhen lassen? Man bekämpft einen Brand nicht, indem man sich das Feuer ruhig