Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1912)
- Article
- Die demokratische Grundlage des Central-Vereins
- Date
- 1912-01-01
- Page
- 7 (sequence 7)
- Language
- German
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Die demokratische Grundlage des LenLral-Vereins. 7 im Ghetto steckt unh sich! mit einem gewissen physischen Behagen begnügt. Hier hat man ein Kulturwerk zu vollbringen, wenn man nur weckt und das vorhandene meist sehr geringe Lebenkräftigt! Somit ist eine richtig arbeitende Ortsgruppe die erste Vorbedingung für einen Erfolg. Wo sie nicht vorhanden ist, sollten die Mitglieder nicht durch Wiederwahl der alten Leiter dem Zustande der Indolenz weiter Eingang verschaffen, sondern neue Männer und Frauen zur intensiven Tätigkeit berufen. III. Die Beobachtung der lokalen Presse läßt fast allenthalben zu wünschen übrig. Ein Referat des Predigers Goldmann- Herford in der Ausschußsitzung des Landesverbandes für Rheinland und Westfalen hat ergeben, daß in diesem doch gewiß gebildeten und aufgeklärten Bezirke eine Anmasse von kleinen Blättern und Blättchen in der Hetze gegen das Judentum ganz Erkleckliches leistet. Zur richtigen Beurteilung der Verhältnisse und zur Ergreifung der richtigen Maßnahmen kann aber nur jemand gelangen, der die in dem einzelnen Orte vorhandenen näheren Verhältnisse kennt. Die Kenntnis der örtlichen Amstände im Zusammenhänge mit den Erfahrungen, die die Zentrale aus allen Landesteilen gesammelt hat, lassen durchweg ein prinzipiell richtiges und mit den Interessen des einzelnen Ortes zu vereinbarendes Vorgehen ermöglichen. Es handelt sich gerade bei diesen Dingen auch vielfach um Fragen, welche am besten unter der Hand erledigt werden. Man macht so die Erfahrung, wie wir z. B. bei der Schöffen- und Geschworenenangelegenheit ojt genug gesehen haben, daß durch Mitteilung von Miß.- ständen in vertraulicher Weise ohne besonderen Apparat viel Gutes geschaffen werden kann. Doch muß man in solchen Fällen genau abwägen, welches Verhalten am zweckmäßigsten ist; denn nicht immer ist das ruhigere Vorgehen auch gleichzeitig das angebrachtere. Da muß allerdings die Zentrale mithelfen. Dabei darf aber die Entscheidung über das Vorgehen innerhalb einer bestimmten Ortsgruppe niemals in den Händen einer einzelnen Persönlichkeit liegen. Die Erfahrung hat gelehrt, daß nur durch gemeinsame Aussprache der richtige Standpunkt gewonnen werden kann. Der einzelne ist gerade in jüdischen Fragen gemäß seiner Vorbildung und Erziehung fast stets einseitig. Erst durch Besprechung mit anderen findet er die richtige Mittellinie. Man macht immer die Erfahrung, daß man durch Erkundigung über Verhältnisse bei einem einzelnen fast durchweg ein schiefes Bild erhält; darum ist auch der Wert aller Erhebungen solcher Art, die auf die