Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1912)
- Article
- Die demokratische Grundlage des Central-Vereins
- Date
- 1912-01-01
- Page
- 6 (sequence 6)
- Language
- German
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Im deutschen Reich. Freunden. Dadurch werden Laue ermutigt, Fernstehende Herbeigeholt, Interesse geweckt. Man kann diese Beobachtung in unserer Praxis oft genug machen. Es ist rührigen Ortsgruppenvorstanden schon sehr häufig gelungen, das Gift, welches der Deutschenationale Handlungsgehilfen-Verband durch seinen Judenhaß ausstreut, in seiner Gefährlichkeit auch denen klar zum Bewußtsein zu bringen, die unsere Versammlungen nicht besuchen. Es sind, durch unsere Agitation veranlaßt, Leute aufgestanden, von denen man es nicht erwartet hatte, und haben in ihren Betrieben mit deutschnationalen Herren aufgeräumt. Und schließlich haben sich Kreise unserer Bewegung zur Verfügung gestellt, die jahrelang abseits standen, und die jetzt doch gesehen haben, welchen Segen unsere Sache stiften kann, wenn man ihre Grundprinzipien nur richtig versteht. Träger dieser demokratischen Organisationen sind die Ortsgruppen. Der Ortsgruppen-Vorstand ist der naturgemäße Vermittler zwischen Zentrale und Mitgliedern. Wo der Gruppenvorstand arbeitet und tätig ist, wo er eine gewisse Kontrolle innerhalb seines Bezirks ständig und regelmäßig ausubt, wo immer ein Keines Parlament vorhanden ist, das von dem persönlichen Vertrauen der Mitglieder getragen, aus alle Vorkommnisse achtet und ihnen sein Interesse entgegenbringt, ist die Grundlage für eine gedeihliche Wirksamkeit gegeben. Regelt dann der Ortsgruppen-Vorstand die Versammlungstätigkeit richtig, sorgt er dafür, daß ausscheidende Kräfte durch solche Elemente ergänzt werden, die in der Bevölkerung stehen und mit dem Empfinden der Bevölkerung vertraut sind, erachtet er es endlich als seine Aufgabe, die Diskussion in Sitzungen und Versammlungen anzuregen und zu beleben und sie möglichst auszugestalten, so wird die Durchdringung unserer Mitglieder mit der Idee der Selbstwehr wesentliche Fortschritte machen. Man wird niemals mehr hören: „Ach, hier ist man ja indifferent", oder „Hier geht es uns ja gut". Gerade diejenigen Orte, in denen es den Juden „relativ gut" geht, sollten die Idee eines würdigen Selbstbewußtseins in ihrem Kreise besonders intensiv pflegen. Das geschieht z. B. in mustergültiger Weise im Gebiet unseres württembergischen Landesverbandes. Was heißt es denn eigentlich : Uns geht es gut? Das heißt entweder: „Die Bevölkerung ist aufgeklärt und vorurteilslos"; dann wird sie die Beschäftigung unserer Mitglieder mit unseren Fragen in aller Oeffentlichkeit gern sehen, und unsere Mitglieder an solchen Orten werden durch ihre Hilfe anderen eine Aufmunterung und ein Ansporn sein, oder es heißt, und das ist leider in der Mehrzahl der Falle die richtige Deutung: „Wir empfinden nichts Schlimmes", und wenn man näher zusieht, empfindet man nichts Schlimmes, weil man eben Noch