Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1912)
- Article
- Die demokratische Grundlage des Central-Vereins
- Date
- 1912-01-01
- Page
- 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Die demokratische Grundlage des CenLral-Vereins. 5 Bei der Gründung des Central-Vereins der Kampf im Lichte der Öffentlichkeit als Grundlage der Tätigkeit ausgerufen wurde, obwohl dieses Prinzip wichtiger ist als alle anderen Grundsätze der Selbstwehr. Ferner muß eine Arbeit, die hie Einzelpersönlichkeit zum politischen Menschen auch in jüdischer Beziehung machen will, naturgemäße die von mir mit dem Begriff „Einkeh r" bezeichnete Tätigkeit üben. Trotzdem glauben viele, an der Schwierigkeit dieser „Einkehr" müsse unsere Arbeit scheitern. Mit Nichten. Denn wo man versucht hat, das Einkehrmoment wirksam auszugestalten und geeignet zur Diskussion zu stellen, hat man Erfolge erzielt. Es handelt sich naturgemäß hier nur um das Verhalten der Einzelpersonlichkeit zu der Außenwelt im öffentlichen Leben und um Grundsätze der politischen und gesellschaftlichen Charakterbildung. Einkehr in unserem Sinne treiben, heißt nicht Moral predigen, denn dazuhaben wir kein Mandat. Einkehr in unserem Sinne treiben, heißt dem Einzelne ns eine durch die gegenwärtige politische und gesellschaftliche Lage des Judentums bedingte Stellung zu Fragen des persönlichen Verhaltens im gesamten Leben klären und die von uns als richtig erkannten Grundsätze durch hie Machtmittel, die in einer demokratischen Organisation als solche liegen, . durchzusetzen. Nun wird behauptet: an die einzelnen heranzukommen, sei sehr schwer: gerade die besuchten unsere Versammlungen nicht, denen unser Wort am ehesten gelte. Das mag sein. Man verkennt aber dabei vollständig, daß. überall in den Versammlungen Besucher sind, die die gesprochenen Gedanken hinaustragen und die auch nach außen hin eine Plattform für diese Gedanken schaffen. Schließlich hören auch die davon, die nicht bei uns waren. Zum mindesten werde:: sie durch die in einer Versammlung erzeugte Reaktion der anderen belehrt und manchmal auch bekehrt. Es geht übrigens nicht uns allein so. Das Motiv zum Besuchen von politischen Versammlungen ist entweder eine von vornherein vorhandene Sympathie für die Sache, die in der Versammlung vertreten werden soll, manchmal, namentlich bei bedeutenden Rednern der zu erwartende oratorische Genuß, vielfach leider Vergnügen am Sensationellen und nicht allzuhäufig der Wunsch, sich belehren zu lassen. Die agitatorische Wirkung einer solchen Versammlung besteht aber doch darin, daß. immer einige wenige kommen, die in den zu erörternden Fragen nicht fest sind, vor allen Dingen aber darin, daß in Kreisen, die an sich dem Gedanken sympathisch gegenüberstehen, die propagandistische Macht der einzelnen Ausführungen gesteigert und gehoben wird. Man trifft sich am andern Tag, man erzählt, was man gehört hat, und man bespricht eine gut verlaufene Versammlung mit