Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1912)
- Article
- Die demokratische Grundlage des Central-Vereins
- Date
- 1912-01-01
- Page
- 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Die demokratische Grundlage des CenLral-Vereins. einander verbunden. Wir sind Gegner jeder gesellschaftlichen Exklusivität auch bei den Juden, wo sie unter voller Wahrung der Selb st würde vermieden werden kann. Dieser Standpunkt must in allen Konsequenzen, die sich aus ihm in positiver und in negativer Beziehung ergeben, in die Praxis umgesetzt werden. Eine Fragestellung: Was drückt unsere „Notabeln"? ist falsch. Wir müssen zunächst Abhilfe für die Beschwerden der großen und breiten Schichten unserer Bevölkerung schaffen. Bei Prüfung dieser Frage wird sich sofort zeigen, daß hier weit weniger, als man es vielfach glaubt, die Frage des jüdischen Landgerichtspräsidenten oder die des jüdischen Oberstleutnants die Gemüter beunruhigt, als, um ein Beispiel zu nennen, die Erscheinungsformen der wirtschaftlichen Unterdrückung der Juden. Bei aller prinzipiellen Wichtigkeit, die die Anstellung von Juden in höheren Aemtern der Justizverwaltung, der Regierung und des Heeres besitzt, darf doch nicht verkannt werden, daß mit Recht die Frage der wirtschaftlichen Versorgung, insbesondere der kommenden Generation, als weit wesentlicher als viele andere bisher mit einer gewissen Vorliebe behandelte Probleme, sich darstellt. Dabei mag gleich bemerkt werden, daß man' diese wirtschaftliche Iudengegnerschaft durch Beeinflussung des Staates und seiner Behörden fast gar nicht fassen kann. Weil man von der staatlichen, direkten Einwirkung nicht alles erwarten darf, haben die Katholiken sich in dem geradezu mustergültig geleiteten „Volksverein für das katholische Deutschland" eine Organisation geschaffen, welche die notwendige demokratische Unterlage für die wirksame Vertretung man kann sagen aller Interessen der Katholiken in Deutschland bildet. Jeder, der eine Reihe von Jahren in katholischen Bezirken gelebt hat, weiß, daß der so große Einfluß des Zentrums durchaus nicht allein auf die Einwirkung der Geistlichkeit Zurückzuführen ist, sondern vor allem darauf, daß man es wie niemand anders in Deutschland, selbst die Sozialdemokratie nicht ausgenommen, verstanden hat, die Masse der Bevölkerung mit einem Minimum von politischer Ausrüstung zu versehen, sie nicht einschläfern zu lassen und sie zu lehren, sich auf ihre eigene Kraft zu verlassen. Diese politische Ausrüstung besteht zunächst in einer genügenden Aufklärung über die bestehenden Verhältnisse, über das, was überhaupt erreicht werden kann, und vor allen Dingen über das Maß, in welchem die Einzelpersönlichkeit zur Bearbeitung der gemeinsamen Fragen herangezogen werden kann und muß. Organisation ist dabei alles, und die Organisation wird zweierlei verhindern: Leisetreterei auf der einen, übertriebene Empfind-