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Im deutschen Reich · 1912-01-01 · Heft 1 (Januar 1912) · p. 2

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
18 (1912)
Issue
Heft 1 (Januar 1912)
Article
Die demokratische Grundlage des Central-Vereins
Date
1912-01-01
Page
2 (sequence 2)
Language
German
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Im deutschen Reich. hältnisse. Je mehr innerhalb der breiten Volksschichten das Vorurteil gegen die jüdischen Bevölkerungskreise zum Verstummen gebracht wird, destomehr wird auch diesem Empfinden der breitesten Volksschichten von der Regierung Rechnung getragen werden müssen. Somit ergibt sich, daß die notwendige Beeinflussung der breiten Massen unserers Volkes durch die Gesamtheit des jüdischen Publikums im Sinne der Aufklärung über das wahre Wesen der Juden, insbesondere durch die Art und Weise des persönlichen Verhaltens erreicht werden muß. Wer den Kamps gegen Judenfeinde und Iudenfeindschast nicht von beiden Seiten, nämlich sowohl durch den Ruf nach dem Rechte bei der Regierung, als auch durch Einwirkung auf die weitesten Kreise der Bevölkerung auszufechten sucht, kann nichts erreichen. Deshalb müssen alle Versuche scheitern, die nicht auf der gegebenen Voraussetzung beruhen. Allerdings ist die Aufgabe, die jüdischen Massen in Bewegung zu bringen, recht schwer und jedenfalls viel umständlicher, als die Klagen über oiese oder jene Zurücksetzung der Regierung gegenüber. Die praktische Erfahrung zeigt, daß vielleicht durch die geschichtliche Entwicklung in ihren einzelnen Erscheinungsformen veranlaßt, der Charakter der deutschen Juden sich gewöhnt hat, den von der Deutschen Tageszeitung und ähnlichen Blättern mit dem Ausdrucke „reinliche Scherdung zwischen Juden und Deutschen" bezeichneten Zustand als erträglich hinzunehmen. Man wird nur empfindlich, wenn irgendwelche Exzesse des Antisemitismus zu verzeichnen sind. Die meist überall vorhandene gesellschaftliche Trennung zwischen Juden und Christen wird als eine Art „gottgewollten" Zustandes hingenommen. Einige wenige, die sich als „Führer" fühlen, denen es auch gesellschaftlich besser geht und die infolge von Bildung, Besitz und Beziehungen nicht ganz so separiert sind wie die anderen, beruhigen ab und zu die Masse, verdammen jeden, der nicht zufrieden ist, und wissen nicht, daß die vielfach durch das Gewicht ihrer Persönlichkeiten erzwungene Ruhe eine Grabesruhe ist. Dabei wird durch diese Grabesruhe weiter Kreise unserer Bevölkerung — und das ist durchaus kein Paradoxon —, jene Ileberempfindlichkeit gezeitigt, die man vielfach, teils mit Recht, teils mit Iln?- recht beklagt. Denn wer die gegebenen Verhältnisse auch in gesellschaftlicher Beziehung als durchaus befriedigend und erträglich hinzunehmen gelernt hat, verliert den Blick, sobald sich einmal eine Einwirkung der Außenwelt ereignet, die als ungewöhnlich empfunden wird. Durch diese erzwungene Zufriedenheit wird aber auch die so dringend notwendige, vernünftige Selbstkritik und Selbsterziehung der weitesten Kreise verhindert. Politische und gesellschaftliche Wirkungen sind untrennbar mit-

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