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Im deutschen Reich · 1911-12-01 · Heft 12 (Dezember 1911) · p. 693

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
17 (1911)
Issue
Heft 12 (Dezember 1911)
Article
[Ohne Titel] / R.
Date
1911-12-01
Page
693 (sequence 3)
Language
German
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V c reinsnnch richten. 693 gewiesen, daß es auch die jüdische Religion gewesen Jei, die in den Juden die Tugenden des Kapitalismus entwickelt habe: Sparsamkeit, wirtschaftliche Umsicht und Nüchternheit. Nicht zu folgen sei ihm aber, wenn er zur weiteren Erklärung der den Juden zugesprochenen Geistigkeit, ihres Zweckbewußtseins, ihrer Beweglichkeit und Anpassungsfähigkeit zurückgegriffen habe auf die R a s s e n - Theorie, und auch den kapitalistischen Geist der „Konstanz des jüdischen Wesens" zugeschrieben habe, das in tausendjähriger Wüstenwanderung durch den Zwang, jeden Augenblick gerüstet zu sein, entstanden, dann aber „konstant" geblieben sei. So wie die Sombartsche Behauptung unrichtig und durch die Forschungen nicht bestätigt sei, daß die Juden ihren leiblichen Typus ständig bewahrt hätten, so fehle auch jeder Beweis dafür, daß die Juden ständig Geldhändler usw. gewesen seien. Vielmehr finde sich überall dort Wucher, wo Vermögensunterschiede vorlägen, z. B. der Bodenwucher in Athen, die Auswanderung des armen Volkes auf den heiligen Berg in Rom usw. Der Redner führt sodann aus, daß Sombart vor allem die objektiven Einflüsse nicht genügend gewürdigt habe. Dreierlei müsse zur Erklärung der psychischen und physischen Merkmale noch herangezogen werden, und zwar, daß sie eine vielsprachige, verstädterte ehemalige Herrenrasse gewesen seien. Stets hätten die Juden zum mindesten außer der hebräischen noch die Landessprache gesprochen, meist aber noch andere nebenbei, und dies erzeuge von selbst einen gewissen Rationalismus. Stets seien ferner die Juden in aller Welt Städter gewesen; die Städter-Psychologie unterscheide sich aber überall aufs gründlichste von der der bäuerlichen Bevölkerung: weniger Aberglaube, weniger Neigung zur Mystik, weniger konservativer Geist, dafür aber Streben zu freiheitlichem Handel im freien Konkurrenzkampf. Städter seien sie endlich um deswillen geworden, weil sie als ehemalige Herrenrasse, als Klasse von Kaufleuten, nicht auf einmal wieder Landarbeiter werden konnten. Der Redner kommt zu dem Ergebnis, daß nicht die Rasse den Juden ihre Eigenart gebe, svndern das Entscheidende die Stufe, die bestimmte Klasse sei, die sie jederzeit gebildet hätten. So sei auch, nicht der kapitalistische Geist in den Juden das Ererbte und lleberkommene, der

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