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Im deutschen Reich · 1911-12-01 · Heft 12 (Dezember 1911) · p. 694

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
17 (1911)
Issue
Heft 12 (Dezember 1911)
Article
[Ohne Titel] / R.
Date
1911-12-01
Page
694 (sequence 4)
Language
German
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6'H Im deutschen Mich. alsdann überall in den Wirtsvölkern den Kapitalismus zur Blüte gebracht habe. Vielmehr habe sich gerade umgekehrt zunächst der Kapitalismus in den verschiedensten Ländern entwickelt und erst dann seien die Juden dort hingezogen >und hätten zu seiner weiteren Blüte beigetragen. Die Wechselbeziehung sei auch keineswegs zufällig und unerklärlich, beruhe vielmehr darauf, daß die Entwicklung des Kapitalismus dieselben Voraussetzungen habe wie das Glück der Juden, ein bißchen Liberalismus, ein bißchen mehr Duldsamkeit, Gewerbefreiheit und Gleichberechtigung. So sei es gekommen, daß die Juden gleichzeitig überall aus den Ländern fortgezogen oder verjagt worden seien, wo auch für den Kapitalismus auf Grund des Treibens der Heiligen und Ritter kein Raum gewesen sei. Der Hinzug und Fortzug der Juden sei hiernach nicht die Ursache, sondern nur die Wirkung einer entsprechenden Entwicklung des Kapitalismus gewesen. Nachdem sich der langanhaltende Beifall der Zuhörer gelegt hatte, dankte der Vorsitzende dem Redner für seine geistreichen Ausführungen, die wohl allen Anwesenden die Bedeutung des von Sombart aufgeworfenen Problems nahegerückt hätten. Nach einer kurzen Pause ergriff als erster Diskussionsredner Professor Sombart selbst das Wort. Er dankte zunächst dem Redner für seine ritterliche Kampfes weise und betonte, daß zwischen ihnen sehr viele gemeinsame Berührungspunkte beständen und daß sie eigentlich nur in Nuancen von einander abwichen. Nach seiner Anschauung gebe es allerdings ein jüdisches Wesen, das den Juden im Blute stecke und gruppenmäßig bestimmte Wirkungen erzeuge. So seien es gerade die jüdischen Eigenarten gewesen, die die Juden bereits vor der Diaspora veranlaßt hätten, bei einem zu geringen Nahrungsspietraum nicht Kolonien zu bilden, sondern in die Städte abzuwandern und Händler zu werden; auch die Fremdheit und das Halbbürgertum sei nicht entstanden, weil sie ausgeschlossen worden wären, sondern weil sie sich selbst aus Grund ihrer Religion abgeschlossen hätten. So seien sie z. B. vom Kriegsdienst in Rom nicht deswegen ausgenommen worden, um sie zu schänden, sondern weil ihnen damit eine besonders ehrende priesterliche Stellung

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