Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1911)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1911-12-01
- Page
- 677 (sequence 4)
- Language
- German
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Umschau. 677 Zeiten entgegen!" mit bitterem Sarkasmus erinnerten, der wird nicht darüber im Zweifel sein, wer die ärgsten Feinde des Trägers der Krone sind, dessen Privatleben sogar vor den vergifteten Pfeilen dieser angeblichen „Monarchisten" nicht verschont geblieben ist. Das „Berliner Tageblatt" hat dieser Tage, anknüpfend an die kronprinzliche Stellungnahme gegen den Reichskanzler, auf eine Aeußerung der „Deutsch-Sozialen Blätter", des Hauptorgans der Antisemiten, mit den Worten verwiesen: „Die den Konservativen, den Alldeutschen und dem Bund der Landwirte besonders nahestehenden Antisemiten gehören ja zu den berüchtigsten „Stützen des Thrones". Die Aeußerung der „Deutsch-Sozialen Blätter" lautet wörtlich: „Außergewöhnliche Verhältnisse rechtfertigen außergewöhnliche Schritte, und da die Befolgung der Ballin- Rathenau-Goldbergerschen Richtlinien den neuen Kurs bis dicht vor den Bankerott getrieben hat, so ist ein solcher Schritt des Thronerben menschlich zu verstehen: Er möchte das Gut nicht gerne übernehmen, wenn der Vorbesitzer es mit Hypotheken völlig erwürgt hat. Was wir seit 1890 trauernd erlebten, war die reine Judenpolitik; aber Bethmann, Bülow und den anderen kann man eigentlich doch nur zum Vorwurf machen, daß sie allen launischen Wunderlichkeiten nicht einen bestimmten männlichen Willen entgegensetzten — oder ab gingen." Eine Partei, die derartige antimonarchistische Kostgänger nicht abschüttelt, hat das Recht verwirkt, sich „konservativ" zu nennen! An den erwähnten traurigen Vorkommnissen sind die zur „Lrsnöe" gehörenden Tivoli-Konservativen mit schuld; denn was die „Deutsch-Sozialen" tun, ist doch schließlich nur eine Wiederholung eurer Szene früherer Tage. Damals haben die Konservativen den jugendlichen, auch zu impulsiven Eingebungen geneigten Prinzen Wilhelm in die Waldersee- Versammlung gelockt, um ihn dort mit dem „Vater des Antisemitismus", dem Hofprediger Stöcker, in Berührung zu bringen. Wie dies damals ohne nachhaltige Wirkung blieb, weil der bei den Hohenzollern erbliche Gerechtigkeitssinn den