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Im deutschen Reich · 1911-12-01 · Heft 12 (Dezember 1911) · p. 676

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
17 (1911)
Issue
Heft 12 (Dezember 1911)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1911-12-01
Page
676 (sequence 3)
Language
German
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676 Im deutschen Reich. seine, ernste Mißbilligung auszudrücken. Man darf erwarten, daß die Reichsregierung aus den Vorkommnissen der letzten Wochen eine Lehne gezogen hat und -ebenso wie der Minister des Jahres 1892 -erkennen wird, daß die sich in boshaften Bemerkungen über das Reichsoberhaupt überbietenden Antisemiten, die der aristokratischen „Fronde" zum Resonanzboden dienen und das Christentum durch den Wodanskultus entwurzeln wollen, keine Stütze für Thron und Altar sind — sondern das Gegenteil! In bezug auf die auswärtige Politik ist der Reichsregierung — wir lassen dahingestellt, ob mit Recht oder Unrecht — der Vorwurf der verpatzten Gelegenheiten gemacht worden. Jetzt ist der Moment für sie gekommen, auf dem Gebiete der inneren Politik zu beweisen, daß sie auch eine passende Gelegenheit wahrzunehmen versteht, indem sie das Vertrauen des ganzen Volkes dadurch zu gewinnen strebt, daß sie über den Parteien steht und bei den Wahlen zum Reichstag den Willen des Volkes unverfälscht zum Ausdruck bringen läßt. Antisemiten und Alldeutsche, Agrarier und Extrem-Konservative sind durch ihren Chauvinismus nahe miteinander verwandt. Daß sie nicht nur in der inneren Politik, sondern ebenso in der äußeren eine Gefahr für Deutschland bedeuten, hat die Marokko-Angelegenheit gezeigt. Wohin ihre Treibereien führen, das zeigte sich während der Marokko- Debatte. Die Szene, die in der Hofloge sich abgespielt hat, hat im Inland und Ausland berechtigtes Aufsehen gemacht. Wer sich erinnert, mit welchem' Jubel eine in studentischen Kreisen gefallene „deutsch-völkische" Aeußerung des Kronprinzen von den Antisemiten begrüßt wurde, wie diese damals sofort den Thronerben für sich in Besitz zu nehmen und ihn in einen schroffen Gegensatz zu seinem von Vorurteilen freien Vater zu bringen suchten, wie sie die Friedensliebe des Kaisers und ganz besonders seinen Umgang mit getauften und ungetauften Juden in höhnischer Weise bekrittelten, wie sie an das in der Jugendzeit des Monarchen geleistete Versprechen „Ich führe Euch herrlichen

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