Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 11 (November 1911)
- Article
- Frankfurt a. M.
- Date
- 1911-11-01
- Page
- 638 (sequence 3)
- Language
- German
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638 Im deutschen Reich. und deshalb ist zu wünschen, daß der Kampf abslaut. Bon ihren reichen Mitteln haben die Juden einen guten Gebrauch gernacht. Ihre Opserwilligkeit für unsere kulturellen Bestrebungen ist vorbildlich. In Frankfurt allein wurden in den letzten 50 Jahren jüdische Stiftungen im Gesamtbeträge von zwanzig Millionen Mark gemacht, von denen acht Millionen für wissenschaftliche Zwecke gegeben wurden. Besonders aus dem Gebiet der Sozialpolitik hat Frankfurt eine Entwicklung zu verzeichnen, wie kaum eine andere Stadt. Hier steht das jüdische Kapital an der Spitze. Ich brauche nur Namen wie Hallgarten, Speyer, Stern zu nennen. Unter den großen Aufwendungen für Bildungszwecke ist vielleicht an erster Stelle Konsul Simon-Hannover, der Gründer der Erziehungsanstalt Ahlem, zu nennen. Das Judentum hat Preußen auch zwei Minister, Friedberg und Friedenthal, gegeben; der badische Finanzminister Ellstädter und Dernburg waren gleichfalls jüdischer Abstammung. Die Sozialdemokratie aber fußt auf den jüdischen Politikern Marx und Lassalle. Auch heute noch haben die Juden ein reges Interesse für die Politik, und es wäre zu wünschen, daß das bei den Christen ebenso wäre. In der Journalistik will ich nur auf Rudolf Mosse und aus Leopold Sonnemann, den Gründer der „Frankfurter Zeitung", Hinweisen. Ueber den Wert, die Bedeutung und den Einfluß dieses Blattes braucht man heute kaum noch etwas zu sagen. Die „Frankfurter Zeitung" ist heute das deutsche Weltblatt. Sonnemann war aber nicht nur ein hervorragender Politiker und Geschäftsmann. Seine Bedeutung für das öffentliche Leben und sein weiter Blick bewährte sich in hervorragendem Maße bei der Veranstaltung der elektrischen Ausstellung. Er war ein Mitbürger, wie wir uns nur recht viele wünschen können. Literarisch sind ebenfalls viele Juden hervorragend tätig. Heine hat allerdings bei uns noch nicht die Würdigung gefunden, die ihm im Ausland zuteil wird. Der Redner kritisierte dann die antisemitischen Strömungen an den Universitäten. Das Projekt der Frankfurter Universität hat aber gerade in jüdischen Kreisen besondere Förderung gefunden. Der märkische Dichter Fontane hat gesagt, daß wir alle Errungenschaften der feineren Kultur vorwiegend dem Judentum verdanken. Man muß endlich mit dem Schlagwort vom internationalen Judentum aufräumen und