Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 11 (November 1911)
- Article
- Frankfurt a. M.
- Date
- 1911-11-01
- Page
- 637 (sequence 2)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 637 ansprucht das Recht des gleichberechtigten Staatsbürgers. Soweit die Pflichten gegenüber dem Staat in Frage kommen, hat man den Juden auch Gleichheit zngebilligt, nicht aber in Bezug aufdie Staats bürg errechte. Die Entrechtung, die jetzt die Antisemiten für das Judentum verlangen, haben in der Mitte des vorigen Jahrhunderts die Konservativen als Partei noch gefordert, wenn auch nicht in der gehässigen Form wie die jetzigen Annsemiten. Jetzt haben es die Konservativen nicht mehr nötig, Verfassungsänderungen zum Nachteil der Juden zu erstreben, das besorgt unsere Verwaltung schon so. Besonders schlimm liegen die Verhältnisse bei der Armee und Marine. Seit 1880 wurde kein Jude mehr zum Reserveoffizier in der preußischen Armee befördert, und alle unsere Beschwerden im Reichstag haben nichts genutzt, obwohl die Kriegsminister die Verfassungswidrigkeit dieses Zustands anerkannten. Die Macht der Minister ist eben geringer als die der konservativen Machthaber. Auch die Tätigkeit der Juden in der Politik wird durch den Antisemitismus ungeheuer erschwert. da es nicht leicht möglich ist, jüdische Kandidaten für die Wahlen aufzustellen, und zwar zum Schaden des deutschen Volkes. Man braucht nur daraus hin-, zuweisen, was Parlamentarier wie Simson, Laster, Bamberger in der Politik geleistet haben. Weit gefährlicher als der offene ist der versteckte Antisemitismus, wie er sich seit der Ablösung der liberalen Aern im Deutschen Reich durch die Reaktion praktisch betätigt. Eine Besserung der Verhältnisse und eine Verwirklichung unseres liberalen Verfassungsideals ist nur möglich, wenn wieder eine freiheitliche Mehrheit im Reichstag sitzt. Lang dauernder, lebhafter Beifall.) Stadtverordneter v. Lasaulx dankte dem Redner für seinen Vortrag und für die Leitung der Geschäfte während des abgelaufenen Geschäftsjahres. Dann erörterte Landtagsabgeordneter Funck-Frankfurt a. M. die Bedeutung des Judentums im Kultur- und Wirtschaftsleben Deutschlands. Wer als Kaufmann tätig ist, kommt zu der Ueberzeugung, daß dem Judentum eine gewisse Ueberlegenheit im kaufmännischen Beruf eigen ist. Es hat fördernd und belebend auf Handel und Verkehr gewirkt, und hat am Aufschwung des Deutschen Reichs einen großen Anteil. Die Bekämpfung des Judentums durch den Antisemitismus aber schädigt unsere Entwicklung,