Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 11 (November 1911)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1911-11-01
- Page
- 631 (sequence 8)
- Language
- German
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Umschau. 631 „Judenspiegel" hervor und tischt Dinge, die längst von christlichen und jüdischen Gelehrten als Jrrtümer oder Fälschungen nachgewiesen wurden, ihren Lesern wieder als wissenschaftliche Ergebnisse aus. Auch in Oesterreich sind die bisher einflußreichsten Antisemiten zurzeit noch führerlos; die christlich-soziale Partei entbehrt eines Leiters, der wie Lueger ein bestimmtes Programm hat und dieses konsequent durchführt. Daß der sechzigjährige Parteiführer Geßmann, der dreißig Jahre an der Seite Luegers für den Antisemitismus gekämpft hat, der politischen Laufbahn entsagt, wird von seinen christlich-sozialen Parteigenossen bitter beklagt. Die christlich-soziale „Salzburger Chronik" schreibt: „Geßmann glaubt, mit seinem Rücktritt der Partei einen Nutzen zu erweisen, da die gehässigen Treibereien gegen die Partei immer an seinen Namen geknüpft werden. Die Partei sollte aber gerade aus diesem Umstande ersehen, für wie gefährlich die Gegner diesen Mann halten. Wenn vr. Geßmann sich -r<, wenigstens einstweilen — äus dem politischen Leben'ganz zurückzieht, so ist das menschlich begreiflich; seine Parteigenossen werden ihm mit dankbarem Herzen die Ruhe gönnen, die der nun Sechzigjährige erstrebt; aber gerade im Interesse der Partei wird man es begrüßen müssen, wenn diese unübertreffliche Arbeitskraft sich nach einiger Zeit wieder in die vordersten Reihen der Kämpfer für die christlich-soziale Reform der Gesellschaft und des Staates stellt." Dazu werden ihn aber weder seine Salzburger Lobredner, noch die ihm in der „Oesterreichischen Presse" gewidmeten Nachrufe veranlassen, denn Geßmann ist nicht ohne Grund bei seinen politischen Gegnern verhaßt, aber er weiß zu gehen, wo keine Ehre mehr zu holen ist. In der Behandlung der Judenfrage ist seit dem Tode Stolypins auch in Rritzland eine bemerkenswerte Aenderung eingetreten, ohne daß dabei die Regierungspolitik irgendeine Wandlung genommen hätte; dies war schon deshalb nicht möglich, weil der neue russische