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Im deutschen Reich · 1911-11-01 · Heft 11 (November 1911) · p. 630

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
17 (1911)
Issue
Heft 11 (November 1911)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1911-11-01
Page
630 (sequence 7)
Language
German
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IRI
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630 Im deutschen Reich. Das Gegenteil haben die „Deutsch-Sozialen Blätter" in einem Artikel empfohlen, der am 2. September unter der geschmackvollen Ueberschrift „Wollen die Konservativen Esel sein?" erschienen ist. Sie haben rückhaltslos dabei die Anschauung vertreten, daß die Konservativen im gegebenen Falle die Liberalen nicht als das kleinere Nebel betrachten dürsten. Andere politische Parteien haben auch mit der sozialdemokratischen Partei Kompromisse abgeschlossen, aber dann spielten sie sich nicht als alleinige Verteidiger der Monarchie aus, wie dies bei den Antisemiten üblich ist. Die Düsseldorfer Niederlage des Zentrums hat z. B. die „Germania" veranlaßt, den Düsseldorfer Regierungsbehörden den Borwurf zu machen, die konservative Partei ungenügend unterstützt zu haben. Außerdem glaubte die „Germania" die Erinnerung an die frühere Wahltaktik des Zentrums dadurch vergessen zu machen, daß sie jetzt erklärte, das „freisinnige Judentum" kämpfe unter Führung des „Berliner Tageblatts" Seite an Seite mit der Sozialdemokratie st egen Kirche und Staat. Daß der politische Teil des „Berliner Tageblatts" zürn größten Teile von Schriftstellern redigiert wird, die dem Judentum nicht mehr angehören oder nie angehört haben, ist der „Germania" wiederholt vorgehalten worden. Bei der Behandlung ihres Lieblingsthemas, der „Aushebung des Jesuitengesetzes", glaubt sie aber die antisemitische Arabeske nicht entbehren und die ihr bekannte Tatsache, daß das „Berliner Tageblatt" kein jüdisches Blatt ist, ignorieren zu können. Mit größerem Recht kann man aber von der „Germania", die das Organ des nicht antisemitischen Zentrums sein soll, behaupten, daß sie ein antisemitisches Blatt ist, weil sie hundertmal widerlegte Behauptungen über die angebliche „Judenpresse" nach unverfrorener antisemitischer Manier immer wiederholt. Das seröser aliquid haeret sollte ein führendes Blatt einer Partei, die wie wir die Rechte der Minoritäten verteidigt, der „Staatsbürger-Zeitung überlassen und nicht, wenn ihr Latein zu Ende geht, die abgedroschensten antisemitischen Verleumdungen wiederholen. Sie holt dann aus ihrem Archiv die ältesten Ladenhüter des Beyerischen Verlages oder den von einem verkommenen Ueberläufer verfaßten

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