Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 11 (November 1911)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1911-11-01
- Page
- 632 (sequence 9)
- Language
- German
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632 Im deutschen Reich. Ministerpräsident W. N. Kokowzow stets ein treuer Bundesgenosse Stolypins war. Ihm ging zwar bei seinem Antritt der Ruf der Versöhnung voraus, weil er durch sämtliche Gouverneure verkünden ließ, daß die Behörden für die öffentliche Sicherheit einstehen und kein Pogrom dulden würden, aber die national-russische Partei ist doch der Ueberzeugung, daß Kokowzow die Stolhpinsche Politik der Zurücksetzung der Fremdstämmigen und Andersgläubigen fortsetzen werde. Er hat als Leiter des Finanzwesens bereits die Ansicht vertreten, daß man zur Konsolidierung der Verhältnisse die nationalen Leidenschaften eindämpfen müsse, aber weder für die von den orthodoxen Russen angefeindeten Deutschen in den Ostseeprovinzen, noch für die bedrängten Finnländer ein besonderes Interesse bekundet. Gleichberechtigung haben diese fremdstämmigen Elemente in Rußland bei dem mächtigen Einfluß der orthodoxen Russen so wenig zu erwarten wie die Juden. Aber Milderung der Praxis bei den Verfolgungen wird doch erhofft, weil der bisherige stellvertretende Leiter des russischen Ministeriums des Innerer!, Kryszanowski, nach der Ernennung Makarows zum Minister des Innern vom Dienst zurücktritt. Damit scheidet ein Staatsmann aus, der als Spü'ialist in der Verfolgung der Juden und in der Unterdrückung Finnlands gilt. Wie eine Schwalbe keinen Sommer macht, eröffnet die Entfernung eines einflußreichen Feindes noch keine Aussicht auf eine Besserung, aber einst wird doch der Tag kommen, wo überall das Ilion der Dunkelmänner hinsinkt. A. L. m Korrespondenzen. Berlin, 24. Oktober. Wegen der Ablehnung von M e d i z i n a l p r a k t i k a n t e n aus konfessionellen Gründen hatte, wie Nur berichtet haben, der Ausschuß der preußischen Aerztekammern eine Eingabe an den Reichskanzler gerächter. Der von uns bereits wicdergegebene ablehnende Bescheid des Reichskanzlers wurde in der Sitzung der Berlin-Brandenburger Aerztekammer am 21. Oktober d. I. durch Herrn Sanitätsrat Wiesenthal einer Kritik unterzogen. Die „Freiheit", die der R e i ch s k a n z t e r den zur Annahme von Praktikanten er-