Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 11 (November 1911)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1911-11-01
- Page
- 629 (sequence 6)
- Language
- German
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Umschau. 629 or-nöglichen könnte. Als die „Kreuz-Zeitung" ihr Programm wieder in antisemitischem Sinne nmwandelte, nahm ein Df. Grabowsky den Gedanken des Kultnrkonservatismus in dem kulturfreundlichen Sinne wieder auf und deutete an, daß der Verzicht auf den Antisemitismus und das Tivoli- Programm der konservativen Partei sehr nützliche jüdische Mitglieder zuführen wiirde, weil das Judentum sehr stark an der deutschen Kultur beteiligt sei. Er mußte aber erfahren, daß der Konservatismus Unter seiner jetzigen Leitung nicht zu modernisieren ist, sondern, wie dies Herr v. Kröcher im Mai dieses Jahres in der Kölner Versammlung erklärte, in dem agrarisch-antisemitischen Bund der Landwirte seinen einzigen treuen Bundesgenossen sieht. Damit ist den Konservativen die antisemitische Marschroute vorgezeichnet, die der Mitredakteur der „Deutschen Tageszeitung", Fritz Bley, durch den Vorschlag präzisierte, für die konservative Wahlagitation die Losung „Hie Juden hie Deutsche" auszugeben; er stellte die Juden ausnahmslos als Freihandels- Politiker und Gegner der Monarchie hin. Das ist eine Kühnheit sondergleichen, denn es ist noch unvergessen, daß man von konservativer Seite die Marokko frage als günstiges Wahlagitationsmittel ansah und nicht nur zum Kriege drängte, sondern sich auch über die Friedensliebe des Kaisers wiederholt in beleidigendster Weise äußerte. Trotzdem hat Herr Fritz Bley die Kühnheit, jetzt, nachdem die Kriegshetze eingestellt werden mußte, zu schreiben: „Bor allem die Monarchie! Auch diese Frage braucht mau nur zu stellen, u m o h n e weiteres d a s I n d e n t u m auf feite n der G egne r und alle anständigen Deutschen selbstverständlich auf seiten des Königstums zu finden." Diejenigen antisemitischen Deutschen, die bei Herrn Bley allein als anständig gelten, waren seit Jahren nicht aus seiten des Monarchen und werden auch künftig kaum dort zu finden sein, sobald ihr Parteiinteresse in Frage kommt. Den Reichstagspräsidenten Gras Schwerin-Löwitz haben bekanntlich dieselben Leute heftig angegriffen, weil er es als eine Pflicht der Parteien der Rechten bezeichnete, bei Stichwahlen die Liberalen gegen die Sozialdemokraten 31t unterstützen.