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Im deutschen Reich · 1911-11-01 · Heft 11 (November 1911) · p. 628

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
17 (1911)
Issue
Heft 11 (November 1911)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1911-11-01
Page
628 (sequence 5)
Language
German
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628 Im deutschen Reich. aus dem antisemitischen Liguidationsgeschäft Nutzen zu ziehen. Deshalb beschweren sich die „Deutsch-Sozialen Blätter" darüber, daß konservative Wahlkreisleitungen gegen antisemitische Sonderkandidaturen Vorgehen, z. B. gegen den Reichstagsabgeordneten Behrens in Wetzlar-Altenkirchen und in dem vom fortschrittlichen Abgeordneten Dr. Heckscher vertretenen Wahlkreis Lauenburg gegen den deutsch-sozialen Kandidaten Roth. Bei der Gedankenarmut, die stets in gewissen konservativen Kreisen vorhanden war, werden diese kaum eine andere zugkräftige Wahlparole finden als die von der agrarischen „Deutschen Tageszeitung" diktierte.- „Der Konservatismus muß antisemitisch sein!" Das^ ist er nun sicherlich schon lange Zeit gewesen, ohne dabei vorwärts zu kommen oder den Boden im Volke wiederzugewinnen, den er durch das beständige Streben verloren hatte, die Steuerlasten von sich abzuwülzen und minderbemittelten Volksschichten zuzuschieben, die Preise der landwirtschaftlichen Erzeugnisse auf einer erheblichen Höhe zu halten und für die traurigen Folgen dieser Wirtschaftspolitik nur den Zwischenhandel verantwortlich zu machen. Vorübergehend hatte die „Kreuz-Zeitung" im September vorigen Jahres die Erkenntnis, daß mit der antisemitischen Blendungsmanier die Mehrheit des Volks nicht für die konservative Sache zurückzugewinnen sei. Sie verwies damals darauf, daß in der Judenheit sich auch Gutes und Anerkennenswertes entwickelt habe und die konservative Partei andere Einflüsse bekämpfen müsse, die tatsächlich verderblicher seien. Die Partei solle sich vor einer einseitigen Verfolgung wirtschaftlicher Interessen hüten und ihre Aufmerksamkeit lieber den ideellen Fragen der Politik zuwenden. Diese Erleuchtung hielt aber nicht vor, die „Kreuz-Zeitung" revozierte in aller Form, wandte sich wieder gegen die Juden, weil ihre Hintermänner ihr klar gemacht hatten, daß Herr von Heydebrand mit seinem Vorschläge, einen Kuliurt’ouferrattsmus anzubahnen, zwar auch ideelle Zwecke anstreben wolle, aber ja nicht auf Kosten der von dem Bund der Landwirte verfolgten materiellen Interessen und am wenigsten auf einem Wege, der eine Verwirklichung der jüdischen Gleichberechtigung

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