Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 11 (November 1911)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1911-11-01
- Page
- 626 (sequence 3)
- Language
- German
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626 Im deutschen Reich. an, ob beide wieder das Mandat erlangen. Im bisherigeil Wahlkreise Bruhns steht ein heftiger Wahlkampf in Aussicht, desgl. in dem Lattmanns, Kassel-Melsungen, da ihm bei der Stichwahl im Jahre 1907 das Mandat nur durch den Beistand der Nationalliberalen zusiel, diese aber jetzt ihren eigenen Kandidaten Schröder im ersten Wahlgange durchzubringen hoffen. Den Rückgang der antisemitischer! Partei geben ihre Organe, wie der Abgeordnete Raab in einer Wahlversammlung in Leipzig sagte, mit Gleichmut' zu. Er meint: „Wenn es eintreten sollte, daß die Neuwahlen nranchen von uns aus dem Parlament hinaus werfen, so werden wir uns mit dem Bewußtsein in das bequeme Privatleben zurückziehen, daß uns das Vaterland über unsere Partei und über unser Mandat ging." Der Rückzug der Antisemiten in das „bequeme Privatleben" ist natürlich nicht im Sinne der „Staatsbürger-Zeitung"; sie sagt: „Kann! eine andere Partei ist von solchen Schicksalsschlägen heimgesucht worden, wie gerade die antisemitische. In kurzer Zeit verlor sie ihre bedeutendsten Führer; andere mußten fallen." Was aber das Blatt dabei über einen „Triumphgesang" und von „vexfxixfytem Jubel" schreibt, den es bei den Juden über das Mißgeschick der Antisemiten bemerkt haben will, ist aus der Luft gegriffen. Die Juden lieben ihre Feinde nicht, aber sie befolgen die alttestamentliche Weisung, nicht bei ihrem Unglück zu frohlocken und sogar den Eseln ihrer Feinde auszuhelfen, wenn sie unter ihrer Last zu erliegen drohen. Die Juden sind sich auch darüber klar, daß der Antisemitismus deshalb noch nicht tot ist, weil er keinen rechten Führer mehr hat. Verschwände auch der letzte Antisemit aus dem Reichstage, so dürfte doch das Jahre hindurch breiten Volksmassen eingeimpfte antisemitische Gift noch fortwirken. Der von den Volksversührern angerichtete Schaden ist viel zu groß, als daß die Heilung in kurzer Frist möglich wäre; der Gesundungsprozeß hat wohl begonnen, aber er bedarf der Geduld und der opferfreudigen Pflege aller Kulturfreunde. Das Antisemitenblatt tröstet sich selbst im voraus über die zu er-