Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 11 (November 1911)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1911-11-01
- Page
- 625 (sequence 2)
- Language
- German
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Umschau. 625 lichten sich; die „Volker" und „Hagen" unserer Zeit fühlen sich auf einsanier Wacht schon verlassen. Von denen, die mit ihnen gehässig danach strebten, einen Teil der deutschen Bevölkerung elend zu machen, sind manche auf der Strecke geblieben, und sie haben, in schlimmer Lage oder in tiefer Verbitterung endend, fühlen müssen, daß die allgemeine Menschenliebe doch mächtiger ist als Religions- und Rassenhaß. Kurz vor seinem Hinscheiden erlebte der „Vater des Antiseinitismus", Adolf Stöcker, noch die Wahlniederlage Mumms, den man als seinen Kronprinzen bezeichnet, weil er Stöckers Wahlkreis als sein Erbteil betrachtet hatte. Liebermann von Sonnenberg, der bei jeder Gelegenheit seinen Landsknechtübermut an den Juden zu kühlen suchte und diese mit seinen Zirkusmützchen unter dem Beifall der „vornehmen" Agrarier verhöhnte, war zuletzt ein stiller Mann geworden. Ihm hatten seine eigenen Anhänger die schmerzlichsten Enttäuschungen bereitet. Unter ihnen hatte er, wie die „Kreuzzeitung" berichtet, manche „Abenteurer" und „Glücksritter" erkannt oder, wie sein Freund Stein sich äußert, „zuletzt statt der Gerulanen nur Leute ohne Charakter und ohne Wissen hinter sich gesehen, deren einziges .Können sich darin erschöpfte, gegen den Semitismus zu wettern." Empfindliche Verluste' waren für die Antisemiten auch das Hinscheiden der Abgeordneten Zimmermann und .Köhler und der traurige Abgang des Abgeordneten Schack, der den Schwarm der deutsch-nationalen Handlungsgehilfen in sein Garn gelockt hat. Auch unter den andern Mitkämpfern wurden durch Verzagtheit oder Mißmut nicht wenige veranlaßt, sich vom Kampfplatz zurückzuziehen. So haben u. a. die antisemitischen Abegordneten Göbel und Hanisch, welche die sächsischen Wahlkreise Meißen und Pirna im Reichstage vertraten, entschieden erklärt, nicht wieder zu kandidieren. Außer dem jetzigen Vorsitzenden der deutsch-sozialen Partei, Amtsgerichtsrat Lattmann, kommen für die nächste Legislaturperiode des deutschen Reichstages nur die Antisemiten Raab, Herzog, Gräfe, die beiden Werner, Bindewald und — .- Bruhn in Betracht. Die verschiedenen Gruppen der Antisemiten wollen sich deshalb angeblich wieder im Reichstag vereinigen, und neben Lattmann als Führer der Deutsch-Sozialen soll Bruhn als Vertreter der Reformpartei wirken. Es kommt nur darauf