Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1911-11-01 · Heft 11 (November 1911) · p. 611

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
17 (1911)
Issue
Heft 11 (November 1911)
Article
Die Juden und das Wirtschaftsleben
Date
1911-11-01
Page
611 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2316602-2316804-2316815-2345325--22027-2345393
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Juden, kapitalistische Gesinnung, Zielstrebigkeit. 611 werden: sind die kapitalistischen Leistungen und, sosern sie mit einer gewissen Sinnesrichtung verknüpft sind, ist die kapitalistische Sinnesrichtung nur durch eine von Anfang an gewissermaßen gegebene jüdische Eigenart bedingt? Oder ist nicht vielmehr jüdisches Schicksal das Entscheidende? Es mag dabei dahingestellt bleiben, ob der behauptete weitreichende jüdische Einfluß auf die kapitalistische Wirtschaftsform in vollem Umfange als berechtigt erkannt werden kann oder nicht. Was versteht man unter Kapitalismus? Doch wohl die Hinaushebung der kaufmännischen Verhältnisse aus der einfachsten Form, in der sich Käufer und Verkäufer gegenüberstehen, in die höhere, bei der der Träger einer wirtschaftlichen Idee mit Hilfe des Betriebselementes (Kapital) Arbeiter, Angestellte im Rahmen eines großzügigen Planes — auch die Größe der Organisation ist ein charakteristisches Merkmalunter alleiniger Verantwortung des Leiters eine bestimmte Tätigkeit entfalten läßt. Wenn Kapitalismus die höhere Wirtschaftsform ist, dann ist kaufmännische Tüchtigkeit die Vorbedingung dazu. Welche Momente sind es nun, die bei den Juden kaufmännische Tüchtigkeit in einem anerkannt nicht gewöhnlichen Maße haben entstehen lassen? Handelt es sich um eine von Urbeginn an fortgesetzte Vererbung, also .,Konstanz des jüdischen Wesens"? — Was wird vererbt? /kapitalistische Gesinnung, kapitalistische Fähigkeit? — Nun, im Wesen der Vererbung liegt es doch wohl, daß — wenn man sich so ausdrücken darf — Gruppeneigenschäften, die die Ausstrahlung verschiedenster Möglichkeiten darbieten, zur Vererbung gelangen, und nicht -etwa minutiös spezialistische, d. h. es werden allgemein körperliche oder allgemein geistige Eigenschaften vererbt: in der Wiege liegt der in der Zukunft geistig tüchtige oder der muskelgeschickte Mensch, aber nicht der bedeutende Bratschist der Zukunft, der Feinziseleur, der Tanzmeister, der Fechtlehrer, der 20 oder 30 Jahre später seine Umgebung durch seine speziellen Leistungen in Erstaunen setzen wird. Aus dem Allgemeinen, der Gruppeneigenschaft, der Geschicktheit, bildet das Schicksal das Spezielle. Goethe hat einmal die Aeußerung getan, daß der begabte Mensch mindestens 50 Berufe gut ausfüllen müßte. Nun darf wohl die Behauptung aufgestellt werden, daß im jüdischen Volke Geistigkeit und, wenn man will: Zielstrebigkeit, d. h.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.