Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 11 (November 1911)
- Article
- Die Juden und das Wirtschaftsleben
- Date
- 1911-11-01
- Page
- 610 (sequence 3)
- Language
- German
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610 Iw deutschen Reich. erfunden, aber doch beschleunigt und an erster Stelle gefördert. Wodurch wurden die Juden zu so bedeutsamen Dingen befähigt? Sombart antwortet: durch ihre Zerstreuung über alle Länder, durch die Organisation des Nachrichtenverkehrs, durch ihre Sprachkenntnisse, durch die kaufmännischen Vorteile ihrer Stellung als Neueingewanderte (Fremdheit im Psychologisch-sozialen Sinne), ihr Halbbürgertum, ihren Reichtum. Auch die jüdische Religion hat — immer nach den Sombartschen Gedankengängen, freuen wir zunächst folgen wollen — ihre besondere Bedeutung für die Herausbildung kapitalistischen Geistes. Während die christliche Religion die Freude an dieser Welt nach Kräften zu vergällen versucht hat, führt die jüdische Religion zu einer Hochwertung der Güter dieser Welt. Selbst die gerechte Handlung des Edlen beruht gewissermaßen aus einer religiös-geschäftlichen Abmachung. Tue gut, auf daß es dir selber gut gehe! Die — christliche — Lehre von Himmel und Hölle, die Lohn für edle Tat und Strafe für böse erst nach Abschluß des Lebens eintreten läßt, findet sich als solche im Pentateuch nicht. Selbst die frühere religiösjüdische Rationalisierung des -Geschlechtsverkehrs, die vorgeschriebene Schonzeit der Frau, muß dem Verfasser herhalten, um kapitalistischen Geist bzw. dessen Förderung zu erklären. In jüdischer Eigenart beruht Fähigkeit, Neigung und Entwicklung zum Kapitalismus, nicht in dem Schicksal des jüdischen Volkes, das nicht entscheidend war, sondern höchstens nur fördersam gewirkt hat. Nicht das Ghetto war -- angeblich — das veranlassende Moment, denn das Ghetto war am Anfang ein freiwilliges und auch in späteren Zeiten ein nicht durch Zwang beibehaltenes oder entstandenes (Holland, England). Geistigkeit und Zielstrebigkeit sind die hervorstechendsten Merkmale des jüdischen Volkes, denen in der Hauptsache die Förderung des Kapitalismus zuzuschreiben ist. Mit großem Scharfsinn hat Sombart — selbst den Vorwurf stellenweiser Breite der Darstellung nicht scheuend — ein gewaltiges Material zur Stütze einer bestimmten Idee, in die er sich verankert hat, zusammengetragen. — Das Problem ist bedeutend genug, um zu prüfen, ob es nur von dem einen starren Gesichtspunkt oder möglicherweise auch von einem anderen betrachtet werden kann. Es soll darum in den folgenden Ausführungen die Frage aufgeworfen