Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 11 (November 1911)
- Article
- Die Juden und das Wirtschaftsleben
- Date
- 1911-11-01
- Page
- 609 (sequence 2)
- Language
- German
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jubelt, kapitalistische Gesinnung, Zielstrebigkeit. 509 I. Juden, Kapitalistische Gesinnung, Ziel'streKigKeit. Von I)r. Alfred Gold s ch m i d L - Kömgshütte. Als Werner Sombart daran ging, seinen „Modernen Kapitalismus" von Grund aus neu zu bearbeiten, stieß er nach eigenem Bekenntnis ganz durch Zufall auf das Judenproblem. Max Webers Untersuchungen über die Zusammenhänge zwischen Puritanismus und Kapitalismus führten ihn dazu, dem Einfluß der Religion aus das Wirtschaftsleben mehr nachzuspüren; und dann kam noch ein anderes hinzu, eine Erkenntnis, die sich ihm wie eine plötzliche Offenbarung aufdrängte: die Parallelität zwischen den Wanderungen der Juden und dem wirtschaftlichen Aufblühen und Sinken der Staaten und Städte, in die sie kommen oder von denen sie gehen. Welche Wandlungen im europäischen Wirtschaftsleben seit dem Ende des 15. Jahrhunderts bis zum Ende des 17. Jahrhunderts — nichl genügend erklärt durch die Entdeckung des Seeweges nach Ostindien und die Verschiebung der staatlichen Machtverhaltnisse! Spanien sinkt plötzlich, Holland blüht auf, Städte Italiens und Deutschlands welken dahin, andere blühen dauernd oder vorübergehend auf: Livorno, Lyon, Antwerpen, Hamburg, Frankfurt a. M. „Wie die Sonne geht Israel über Europa: wo es hinkommt, sprießt neues Leben empor, von wo -es wegzieht, da modert alles, was bisher geblüht hatte." So schreibt Sombart in seinem neuesten Buche: „Die Juden und das Wirtschaftsleben." Begründer und Förderer des modernen Welthandels, der modernen Finanzwirtschaft, der Börse wie überhaupt aller Kommerzialisierung des Wirtschaftslebens, die Väter des Freihandels und der freien Konkurrenz, die Verbreiter des modernen Geistes im Wirtschaftsleben — das sind nach Sombart die Juden. Sie haben einen starken Anteil au allen kolonialen Gründungen, sie sind bei der Begründung des modernen Staates beteiligt (als Lieferanten, als Finanzmänner), sie sind in der Hauptsache diejenigen, die die Kommerzialisierung des Wirtschaftslebens bewirkt haben (Einführung der Wertpapiere), sie haben — mit einem Wort — den modernen Kapitalismus, jenes wunderbare Gebilde, viel gelobt und viel gescholten, wenn auch nicht allein und direkt