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Im deutschen Reich · 1911-11-01 · Heft 11 (November 1911) · p. 606

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
17 (1911)
Issue
Heft 11 (November 1911)
Article
Die Berufswahl der jüdischen Jugend
Date
1911-11-01
Page
606 (sequence 14)
Language
German
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606 Im deutschen Reich. Es ist .das nicht nur im allgemeinen Interesse der Wissenschaft zu bedauern, sondern ein jeder solcher Fall bedeutet einen Schaden für das Judentum, eine Herabsetzung und Schwächung seines Idealismus und damit seiner Kraft. Daß rein äußerlich auch die körperliche Regeneration der Juden, von der wir soviel sprechen und bei der wir so viele Versuche anstellen, mit der Berufsverteilung in engstem Zusammenhänge steht, fei noch erwähnt. Denn die Erwerbsgebiete, denen die Juden sich zuwenden, sind am allerwenigsten geeignet, die .körperliche Beschaffenheit zu bessern. Entweder fesseln sie den jungen Juden in krummer Haltung an den Schreibtisch oder fie zwingen ihn in staubige Warenlager sowie sonstige häufig künstlich beleuchtete, enge Arbeitsstätten, und das stete Hasten sowie die Aufregungen dieser Berufe erzeugen die Nervosität, die das sonstige körperliche Befinden beeinflußt und nirgends so grassiert, wie unter den stets gehetzten Kaufleuten und den freien Akademikern. Zudem ist gerade bei ihnen die körperliche Anstrengung minimal, von einer Abhärtung des Körpers ist keine Rede, und der unendlich schwierige Konkurrenzkampf nimmt so viel von der Zeit in Anspruch, daß fast nichts bleibt, um durch Turnen und Sport einen kleinen Ersatz zu bieten. So freudig es auch zu begrüßen ist, daß wenigstens die jüdische Jugend sich mehr und mehr gesunder körperlicher Bewegung in freier Luft zuwendet, so wenig darf man verkennen, daß dies im letzten Grunde ein kleines und unzureichendes Mittel darstellt, wenn das Leben nachher doch die Errungenschaften der Jugendzeit gründlich zerstört. Eine wirklich nachhaltige Besserung ist nur auf dem Wege einer gesünderen Verteilung in Berufe zu erzielen, die den Körper mehr stählen und den Geist weniger nervös machen. In allen volkswirtschaftlichen Fragen macht es sich unsere Zeit sehr bequem. Der Begriff des „Milieu", der „Zeitverhältnisse" und ihres Zwanges muß dazu herhalten, um olles zu erklären, vornehmlich aber um alles Schlechte, an dessen Aenderung man nicht gehen möchte, zu entschuldigen. Von dieser bequemen Lebensauffassung, sich stets als die willenlos geschobenen zu betrachten, als die bedauernswerten und unrettbaren Produkte des Milieu und der Zeitverhültnisse, ohne daß sie daran etwas ändern können, macht man in jüdischen Kreisen einen mehr als ausgiebigen Gebrauch. Und wenn

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