Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 11 (November 1911)
- Article
- Die Berufswahl der jüdischen Jugend
- Date
- 1911-11-01
- Page
- 607 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Berufswahl der jüdischen Jugend. 607 dies immer bei der Frage der Berufswahl nachdrücklich betont wird, ist das nur das Zeichen eines schlechten Gewissens. Wäre dem in Wahrheit so, so würde jedes Wort der Betrachtung überflüssig sein, und man müßte mit gebundenen Händen zusehen, wie das deutsche Judentum sich selbst verzehrt. Es ist ja heute zwar modern, in bezug auf die weitere Entwicklung unseres deutschen Judentums mit einem möglichst großen Pessimismus an die Dinge heranzutreten. Man muß aber auch ein wenig Selbstachtung besitzen und unserem deutschen Judentum genug Kraft zutrauen, daß es sich, sobald es Schäden erkennt, mit altjüdischem Willen gegen die Entwicklung auflehnt und beweist, daß die „Zeit- Verhältnisse^ nicht so zwingender Natur sind, wie man glaubt. Unsere Geschichte legt lebendiges Zeugnis davon ab, wie unendlich viel der Wille vermag, und etwas mehr und etwas besserer Wille bei der Berufswahl, der nichts anderes durchzusetzen brauchte, als daß der Strom der jüdischen Jugend nicht gemäß der Eitelkeit und dem Ehrgeiz der Eltern, sondern gemäß den Gaben und der Lust der jungen Menschen selber in die einzelnen Bahnen gelenkt werde, würde manches erreichen. Dieser Wille würde unserer Jugend mehr Befriedigung im Leben verschaffen, er würde sie in Kreise führen, bei denen die Zerstörung alter Vorurteile sehr notwendig ist, er würde die körperliche Regeneration fördern, er würde das Scheitern vieler Existenzen verhindern, er würde vor allem dem alten, ehrwürdigen Schilde des jüdischen Idealismus wieder zu seiner fleckenlosen Reinheit und seinem strahlenden Glanze verhelfen. * Wir werden in Zukunft von Zeit zu Zeit auf Berufe, deren^Ergreifung sich für jüdische junge Leute empfiehlt, aufmerksam machen und bitten unsere Leser, uns bei diesem Unternehmen nach Tunlichkeit zu unterstützen. Heute weisen wir auf die Laufbahn eines Reichsbankbeamten hin' die jüdischen jungen Leuten empfohlen werden kann. Nach den geltenden Bestimmungen muß für den Reichsbankdienst folgenden Bedingungen Genüge geleistet sein: l. Der Bewerber darf nicht über 26 Jahre alt unb muß unverheiratet sein;