Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 11 (November 1911)
- Article
- Die Berufswahl der jüdischen Jugend
- Date
- 1911-11-01
- Page
- 603 (sequence 11)
- Language
- German
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603 Die Berufswahl der jüdischen Jugend. zeichneten, berühmte und reiche Leute werden; und solche Beispiele, .die wirklich nicht die Regel, sondern die seltene Ausnahme pilden, verbreiten sich merkwürdig rasch und üben eine faszinierende Wirkung aus. Ob der jüdische Knabe also die Befähigung hat oder nicht, jedenfalls wird er auf einen der breiten verlockenden Glückswege geführt, und der falsch verstandene demokratische Zug bringt es zuwege, daß alljährlich tausende von jüdischen Knaben dem Moloch Ehrgeiz und Eitelkeit geopfert werden und dadurch ihren rechten Lebensweg verfehlen. Das Bild, das die jüngere Generation jüdischer Akademiker in bezug auf Fähigkeit und Idealismus bietet, ist — wie allgemein zugestanden wird -— nicht immer erfreulich. Besondere Aufmerksamkeit aber erfordert der junge kaufmännische Nachwuchs; denn dieser Beruf stellt sich für den Juden sehr häufig als ein Verlegenheitsweg dar, der mit dem Fortkommen in der Schule zusammenhüngt und die herrschende Gedankenlosigkeit grell beleuchtet. Von vornherein ist nämlich der jüdische Junge, zumal wenn er der einzige Sohn ist, der Stolz der Familie, selbstverständlich zum Studium bestimmt; aber wenn sein Fortkommen im Gymnasium trotz aller Mühe an seiner zweifellos festgestellten Unfähigkeit scheitert, so geht er ab und wird — Kaufmann! Für diesen Beruf hält so mancher keinen anderen Befähigungsnachweis für notwendig als die Tatsache, daß der junge Mensch bei der Versetzung nach Obertertia einige Male sitzen geblieben ist. Ganz abgesehen 'von der völligen Unzulänglichkeit dieser kurz abgebrochenen Gymnasialbildung, der für jeden Fall die Absolvierung einer Volksschule vorzuziehen ist, kann man sich hiernach 'Vörstetten, was für ein Material häufig in dem jungen Nachwuchs des Handelsstandes steckt, eines Berufes, der wie kein anderer neben Gewissenhaftigkeit und Fleiß eine ganz spezifische B e g a b u it g erfordert. Bei vielen der jungen Leute, die das „Einjährige" erlangen und dann Kaufleute werden, sind die Gründe für die Berufswahl genau dieselben. Und ivenn man auch die Folgen dieser Gedankenlosigkeit nicht immer kraß sieht, sind sie nicht zu unterschätzen. Gerade unter unseren jungen Kaufleuten gibt es hunderte vor: Existenzen, die — nachdem der Ehrgeiz der Ettern sie auf eine falsche Bahn gedrängt hat - - glücklich wären, wenn sie einen