Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 11 (November 1911)
- Article
- Die Berufswahl der jüdischen Jugend
- Date
- 1911-11-01
- Page
- 600 (sequence 8)
- Language
- German
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600 Im deutschen Reich. Kaufmanns sein. Wie dieser, hat er es durchschnittlich schwieriger 'als der Christ, aber auch bei ihm hängt in letzter Reihe, da ja ein freier Wettbewerb vorhanden ist, alles von seiner Berufstüchtigkeit ab. Es liegt, sobald man genauer prüft, durchaus nichts vor, was dem Juden den Handwerkerstand schwerer und undankbarer machen sollte als den des Kaufmanns. ' Ganz ähnlich liegen auch die Verhältnisse bei der mittleren und unteren Beamtenlaufbahn. Davon, daß die antisemitische Gesinnung der Behörden dem Juden das Einschlagen dieser Laufbahn erschwere oder — wie mit Vorliebe behauptet wird — ganz unmöglich mache, ist keine Rede. Der letztere Vorwurf ist aus der Luft gegriffen, und über den ersteren fehlen uns bisher die Erfahrungen. Die wenigen jüdischen Beamten bei der Regierung (es sind jüdische Regierungssekretäre vorhanden!), der Post, demGericht, der Eisenbahn, der Polizei usw. klagen durchaus nicht mehr über den Antisemitismus der Behörden und Kollegen als jeder andere Jude, und die Lebensstellung, in der man von dieser Plage völlig verschont bleibt, soll ja bekanntlich noch gefunden werden. Es ist sehr Wohl anzunehmen, daß bei einem stärkeren Andrang der Juden die Schwierigkeiten zunehmen und antisemitische Anwandlungen sich häufiger zeigen würden, wohingegen andererseits eine bessere Durchsetzung besonders der mittleren Beamtenkategorien mit Juden manches Vorurteil besiegen und dem Frieden in der Bevölkerung sehr dienen müßte. Aber wenn man heute jüdische junge Leute unter dem Vorwand des Antisemitismus von diesem Lebenswege, dessen Annehmlichkeiten im Vergleich zu den Schwierigkeiten recht große und verlockende sind, fernhält, so ist es eben nur ein Vorwand, der etwas ganz anderes verdecken soll. Es ist nun nicht allzu schwer zu ergründen, warum man so eifrig nach dem Deckmantel des Antisemitismus als Grund greift, wenn man ein jüdisches Kind nicht dem Beruf,, für das es seine geistigen Fähigkeiten geeignet machen, sondern einem andern, für das es nicht paßt, zuführt. Die wahre Ursache liegt, wenn wir ganz ehrlich sein wollen, in einer bösen Folge einer sonst ausgezeichnet guten Eigenschaft des Judentums. Unsere Gemeinschaft ist ihrem inneren Wesen nach auf dem demokratischen Prinzip der Gleichheit und Gleich-