Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 11 (November 1911)
- Article
- Die Berufswahl der jüdischen Jugend
- Date
- 1911-11-01
- Page
- 597 (sequence 5)
- Language
- German
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Die Bernfswahl der jüdischen Jugend. 597 Jarden sich zu allen Berufen, zu Handwerkern, zu Ackerbauern, zu Beamten, zu Arbeitern und was es sonst noch geben mag, ganz vortrefflich eigneten, und eine Umschau unter den heutigen Juden, die außerhalb Westeuropas leben, bestätigt, daß sich daran nichts geändert hat. In Rußland, Rumänien, Galizien, der Türkei, Nordamerika und anderen Ländern trifft man Juden als Industriearbeiter, als Handwerker, Fuhrleute, Träger, Bahnbeamte usw., überhaupt in allen Berufen, in denen auch Andersgläubige tätig sind, und aus der großen Anzahl der in solchen Gewerben Beschäftigten geht hervor, daß es sich nicht etwa um bewunderungswürdige Ausnahmeerscheinungen handelt. Auf mangelnde Eignung der Judenheit gehen nach diesen Erwägungen unsere Zustände keinesfalls zurück. Eine zweite, schon gewichtigere Ursache könnte in den historischen Verhältnissen früherer Jahrhunderte erblickt werden. Tatsächlich muß zugestanden werden, daß die geschichtliche Entwicklung die spezifische Eignung für einen Beruf, für die Landwirts ch a f t, stark zurückgedrängt und ungünstig beeinflußt hat. Der Zwang des Mittelalters hat die Juden vorwiegend zu Sradtbewohnern gemacht, die über die Stufedes Landbaues bereits hinweg sind, und es muß als ein allgemein gültiges Gesetz angesehen werden, daß es auf dem Boden der alten Kulturstaaten kaum jemals gelingen wird, eine städtische Bevölkerung — sei sie nun christlich oder jüdisch — wieder zum Ackerbau zu erziehen. Alle dahin zielenden Versuche, die in Deutschland von jüdischer Seite angestellt werden, so löblich und begrüßenswert sie auch sein mögen, können nichts wie eine Reihe von Einzelerfolgen, niemals aber eine nachhaltige Wirkung aus die Massen erreichen. Was aber den aufgezwungenen Handel der Juden betrifft, dessen Ursache ebenfalls in der geschichtlichen Entwicklung begründet ist, so liegen die Verhältnisse nach Aufhebung des Druckes ganz anders. Handel, Gewerbe, Industrie, Handwerk und Beamtentum sind, entw ick lungs geschichtlich betrachtet, völlig gleichwertige städtische Berufsarten, die bei der christlichen Bevölkerung durcheinandergehen und in den verschiedenen aufeinander folgenden Geschlechtern abwechselnd ausgeübt werden, ohne daß die eine im Vergleich zu einer anderen einen überwundenen Standpunkt darstellt. Und wenn