Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 11 (November 1911)
- Article
- Die Berufswahl der jüdischen Jugend
- Date
- 1911-11-01
- Page
- 595 (sequence 3)
- Language
- German
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Die Berufswahl der jüdischen Jugend. 595 praktische, das auch den Gegenstand dieser Betrachtungen bildet, ist: wie kann man die deutsche Judenheit dazu bringen, ihre Kinder Berufe ergreifen zu lassen, für die sie sich ihrer Befähigung nach eignen, anstatt sie wie heute restlos den oben erwähnten Erwerbsarten zuzuführen? Das erste Problem ist ein allgemein jüdisches, das zweite ist ein speziell deutsches; das erste hängt von Faktoren ab, die in der geschichtlichen Entwicklung Lief begründet und schwer zu beeinflussen sind, das zweite beruht auf der speziellen wirtschaftlichen und politischen Lage der deutschen Juden von heute, auf Dingen also, bei deren Gestaltung der Wi l l e der deutschen Juden ein gewichtiges Wort mirzusprechen hat. Eins sei vorausgeschickt. Wenn auch vorhin davon die Rede war, daß der Antisemitismus in einem gewissen Zusammenhänge mit der Berufswahl steht, so darf man keineswegs den Standpunkt vertreten, daß dem Antisemitismus zuliebe das Niveau der deutschen Judenheit herabgemindert werden müsse. Abgesehen davon, daß ein solches Bestreben uns wahrscheinlich auch nicht die Zuneigung der Judenfeinde verschaffen könnte, wäre es ein Zeichen bedauerlicher Würdelosigkeit, wollte man sich in Fragen innerer Entwicklung von derartigen oberflächlichen Rücksichten leiten lassen. Was die Welt und der Antisemitismus von der jüdischen Berufs- Verteilung sagen, ist im letzten Grunde herzlich gleichgültig. Würde das gesamte Judentum aus lauter Genies bestehen, so wäre es geradezu ein Verbrechen, wenn man auch nur ein einziges von seinem höheren Ziele fernhielte und der Welt zuliebe seine Fähigkeiten unterdrückte. Uns kann zu einer Stellungnahme nur die Erkenntnis veranlassen, daß eine falsche Berufsverteilung dem 'Judentum innerlich schadet und es schwächt, daß ein Hineindrängen und -dringen der Juden, die nun einmal durchaus keine homogene Masse von Genies vorstellen, in Berufe und Stellen, denen sie nicht gewachsen sind, in denen sie also versagen müssen, nicht nur das Ansehen des Judentums herabsetzt, sondern die Allgemeinheit schädigt. So wird ein Antisemitismus erzeugt, dessen Entstehungs- Ursachen man begreift. Auf jenen Judenhaß, dessen Quellen Neid, Mißgunst und^ Eigennutz sind, Rücksicht zu nehmen, wäre ein Zeichen von mangelndem Selbstbewußtsein; von