Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 11 (November 1911)
- Article
- Die Berufswahl der jüdischen Jugend
- Date
- 1911-11-01
- Page
- 594 (sequence 2)
- Language
- German
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594 Im deutschen Reich. Schon nnge ist es für jeden einsichtigen Beurteiler jüdischer Verhältnisse offenbar, daß es nichts Ungesunderes und Schädlichere: für die innere Kraft des deutschen Judentums geben kann als die gegenwärtige Verteilung — oder besser gesagt Nichterteilung — der erwerbsfähigen Juden aus die einzelnen Brufsarten. Zunächst beobachtet man einen übermäßigen un! unnatürlichen Andrang zu den akademischen Fächern, uner denen die Jurisprudenz und die Medizin besonders bev.rzugt sind. Von den jungen Juden aber, die nicht das Ctudium erwählen, ergreift der weitaus größte Teil den Berrf des Kaufmanns; und man darf sich keinesfalls über dese Tatsache dadurch hinwegtäuschen lassen, daß in der Statistik die Beteiligung der erwerbstätigen Juden an der Industrie mit etwa zwanzig Prozent verzeichnet ist. Denn es hcndelt sich dabei meist nur um eine ungenaue statistische Erfassung der vielen kaufmännischen Angestellten industrieller Unternehmungen. Bedenkt man noch, daß die „Selbständicen ohne Beruf" — in der Statistik der Juden ein Faktor v-m mehr als fünfzehn Prozent — fast ausnahmslos aus Akadem.kern und Kaufleuten bestehen, die sich zur Ruhe gesetzt haben so darf als ziemlich sicher angenommen werden, daß von allen erwerbstätigen Juden etwa neunzig Prozent, wahrscheinlich sogar noch mehr, auf akademische Berufe sowie Handel und Gewerbe entfallen. Es ist ohne weiteres klar, daß eine gesunde Berussverteilung zum ersten in gewissen Grenzen einen Ausgleich und ein erträgliches Verhältnis zwischen der Personenzahl einer Gemeinschaft und der Beteiligung an den einzelnen Berufen herbeiführen muß, zum zweiten aber — und besonders bei den akademischen Berufen, ist dies von Wichtigkeit — eine verständige Wechselbeziehung zwischen geistiger Kraft, zwischen Begabung und der Wahl des Erwerbsweges herzustellen hat. Zweierlei Schäden lassen sich demgemäß in der Berufswahl der deutschen Juden aufweisen, und zwei Probleme sind es, die ihrer Lösung harren. Das erste ist: wie kann man innerhalb der Judenheit alle vorhandenen Berufe in einem ihrer Bedeutung entsprechenden Verhältnis zur Geltung bringen? Das ist das allgemeine, das objektive Problem, von dem die Erhaltung der Judenheit als gesunder Gemeinschaft abhängt. Das Zweite dagegen, das subjektive, das näherliegende und